Tagesmeldung vom 05.11.2021

Tagesmeldung vom 05.11.2021

Törn 0742 | Brest – Vigo
Cabo Finisterre


Position 43°05,6 N|009°29,0 E
Kurs, Speed 200, 5kn
Etmal 138nm
Wind NNE – 4-5bft
Luftdruck 1031 hpa
Bedeckung 7
Temp (L/W) 16°C, 15°C

Wir schreiben das Jahr 2021. Die Roald Amundsen rollt um Mitternacht weiterhin im Schwell des vergangenen Tiefdruckgebiets. Die tapferen Recken der einzelnen Wachen tanzen im Takt den Wachwechsel im Morsealphabet, bevor einmal mehr die Toppsgasten übernehmen. Ausbildung Teil 3 – Der Fall „Verlassen des Schiffs“ – Wird als großes Finale der Vortragsreihe innerhalb der Wache 1 präsentiert. Natürlich nicht durch den Toppsgasten, dieser steht als Reserve für die Vortragenden Deckshände und -anwärter zur Verfügung, während das Schiff auf Kurs gehalten wird, um mögliche Wissenslücken, die durch aufkommende Fragen offenbart werden könnten, sofort zu flicken.
Nach der Vortragsreihe folgt das Sailtraining: Natürlich gefällt sich ein dahergelaufener Regenschauer besonders darin, uns während dem Setzen und Bergen beider Untermarsen (zwecks Ausbildung) nochmal ordentlich abzukühlen. Dann ist auch die Gute-Nacht-Geschichte des Steuermanns dran, heute ist die Kommunikation zwischen Walen und Delfinen an der Reihe. Tatsächlich erfreuen schließlich Delfine unser raues Seemannsherz, als diese am Bug mit Meeresleuchten umhersausen, während die ersten Lichter Spaniens am Horizont auftauchen: Die Biscaya ist durchquert, mit ganz entspanntem Segelwind.
Morgens zeigt sich auf einmal Teil II der Gute-Nacht-Geschichte, ein Blasen ist neben dem Schiff zu hören, eine kleine Fontäne steigt auf und plötzlich hüpfen alle aus den Kojen, um einen kleinen Wal zu bewundern, der neben unserer Brigg kurz auftaucht und uns mit der Fluke zuwinkt. Nachdem die Messe einmal mehr auf die Minute genau pünktlich für die Astronavi-Stunde geräumt und die letzten Bissen des Frühstücks der abziehenden Wache an Deck und in den Kammern verzehrt werden, sind wenig später die besonders Interessierten mit Sextant und Chronometer (genaue Uhr) an Deck zu finden. Nun wird die Sonne im Minutentakt vom Himmel geschossen und die Berechnung wird danach bis ins Detail ausdiskutiert.
Nach einem hervorragendem Nudelauflauf unserer Kombüse wird am Nachmittag zunächst die Handhabung von Taljen geprobt, der Stopperstek und der ½-Rundtörn mit 2 halben Schlägen sitzt! Im anschließenden All-Hands können wir dann erstmals unsere Roald im Manövermodus erleben, Topp um Topp fliegt beim Brassen herum und erst wird das Beiliegen geprobt, anschließend zwei Halsen gefahren. Nun heißt es Kurs gen Vigo! Von der Schiffsführung wird das All-Hands zwar vor dem Kuchen aufgehoben, trotzdem finden sich doch mehr als genug Freiwillige, um die Royals, Bramsegel und eine Obermars und die Fock beizufangen. Ganz entspannt wird der Blick aus dem Rigg auf die galizische Küste bewundert, die Wellen genossen und die fünf Windstärken lassen das Seglerherz höherschlagen – Das nahende Ziel rückt gedanklich in die Ferne, schließlich sind es ja noch mehrere Tage…
Nach einem erfolgreichen Tag geht es voller Vorfreude auf das Kommende bald in die Koje, wir freuen uns auf die Wenden, die wir fahren wollen. Zunächst geht es wohl jedoch auf einen Ankerplatz für die Nacht, irgendwann nach Mitternacht wird der Anker wohl gebadet werden, schließlich wollen wir uns ausschlafen und von dem fiesen Schwell erholen, um morgen pünktlich um 0800 Uhr als hungrige 0-4-Wache in der Messe zum Frühstück zu erscheinen, bevor der Tag Neues verheißt… Ganz entspannt.
PS. Ein Rezept für Delfin-Süchtige: Man munkelt, am Bug müssten die entsprechenden Lieder Mozarts gesungen werden, da Delfine auf sowas stehen. Wir sind uns aber noch nicht sicher, ob das wirklich der Fall ist, Versuch eins ist leider fehlgeschlagen. Als nächstes versuchen wir, den Wal nachzuahmen, der kann das ja doch.
Ganz entspannte Grüße gehen raus an all die Race-Begeisterten!

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