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Tagesmeldung vom 13.12.2021

Tagesmeldung vom 13.12.2021

Törn 0746 | Vigo – Kanaren
Atlantik


Position 34°28,7 N|013°47,8 W
Kurs, Speed 230, 4kn
Etmal 61nm
Wind W – 2-3bft
Luftdruck 1023 hpa
Bedeckung 8
Temp (L/W) 18°C, 19°C

8 Uhr, Wachwechsel. Humor ist wie Wind, schade wenn man keinen hat. Seit gestern Nachmittag treiben wir mit kaum nennenswerter Knotenzahl in Richtung 2-3-5. Ebenfalls kaum nennenswert die Sanfteste aller Brisen, die uns an der Nase kitzelt. Dafür aber Sonnenschein, 19 Grad Celsius und beste Laune.

Um erwähnte Sanfteste aller Brisen einzufangen, bereiten wir Vorstengestag und – Achtung – Flieger vor und dehnen den Klüverspaziergang nach Kräften aus, um diese besondere Perspektive auf die Roald in Gänze auszukosten. Anschließend begeistertes Tampenreißen, Stopperaufsetzen, Fall ist fest und belegt. Kurzer Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige: genau 0,2 Knoten mehr. Ein voller Erfolg, auf den wir alle sehr stolz sind.

Ausbildungsinhalt und Reinschiff werden zusammengelegt, als wir die mobile Feuerlöschpumpe an Deck hieven und ein seemännisches Deckschrubbevent vom Allerfeinsten hinlegen, inklusive unfreiwilliger Fußdusche und großem Hallo. Dichtigkeitsprüfung der Stiefel: check. Stimmung: famos.

Unser Bootsmann hat Geburtstag, entsprechend haben wir in der Nacht zuvor 20 Kilogramm Kartoffeln nach uraltem Seefahrtsbrauch ihrer Schalen entledigt, was im Schein diverser roter Kopflampen nicht nur unfassbar professionell von statten ging, sondern auch noch äußerst positiv auf die Gemeinschaft in der Wache wirkt. Demzufolge haben wir genug Kartoffelbrei für eine 60 Personen starke Besatzung und brauchen uns die nächsten Tage über Hunger nicht beklagen. Etwas übers Ziel hinausgeschossen? Ach wo, wir lieben Kartoffelbrei.

So gestärkt und rundum zufrieden muss die für 12 Uhr 30 angesetzte, traditionelle Montagsmeuterei leider ausfallen, stattdessen gibt das Roald Amundsen Sails Brass Orchestra (RASBO) mit Jagdhorn und Saxophon dem Geburtstagskind ein Ständchen, die heitere Gesell*innencombo + Topsgast singen das Russische Geburtstagslied (nur echt mit dem Krokodil), Geschenke werden überreicht.

Im Anschluss: Segel bergen, da der Wetterbericht nicht von freundlichen Winden kündet und wir ein dringendes Date mit Porto Santo haben. Während wir auf den Rahen die Segel packen (hafenfein, Digger!), wird die Wolf-Buckau angerissen und wir machen solide sechs Knoten Fahrt, die für gestern bestellten Delfine schauen vorbei, danach Kaffee und Kuchen an Deck. Abends Lichtspiel und Popcorn. Man, geht“s uns schlecht.

Grüße gehen raus nach Hamburg-Neugraben, an Delfine, Schildkröten und ominöse, mitternächtliche Wale, den erhabensten und besten aller bekannten Schächte, Jari Maenpäa und die form- und farbgebenden Gewerke in der Fremde und der Sesshaftigkeit.

//HB

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