Tagesmeldung vom 29.08.2023

Tagesmeldung vom 29.08.2023

Tagesmeldung von Bord
Törn 0820 | A million dreams
Ablegen vor Ventspils

Position 57°23,7′ N|021°33,2′ E
Kurs, Speed 237 | 0,0kn
Etmal 26nm
Wind S – 3bft
Luftdruck 1011 hpa
Bedeckung 4/8
Temp (L/W) 21°C, 16°C

Sonnenaufgang. Früher Morgen. Ankerwache. Mühsam kämpft sich der gleißend helle, rot leuchtende Ball an der Wolkenleiter herauf. Der Himmel scheint zu brennen und zusammen mit den umliegenden Alto Cumuli und Cirren wird wohl starker Wind auf Ventspils zukommen.

„Doch zu diesen Zeiten werden wir sicher im Hafen sein“, verspricht uns der Kapitän, während wir die Ruhe genießend unsere Peilungen bestimmten.
So kam es dann, dass wir gegen 10 Anker auf gingen und mit Maschinenfahrt auf den Hafen zuhielten. Gemeinsam im All Hands. Alle unterstützten einander beim Leinen auslegen, Dinghi aussetzen und Klar Deck machen, die Hafeneinfahrt kam in Sicht.

Wenn ich mich umschaute, dann blickte ich in die glücklichen Gesichter gespannter Mitsegler*innen. Sie waren gespannt auf die Stadt, den Strand und die Menschen, aber auch ein wenig traurig darüber, dass der Törn schon bald vorbei sein würde.

Viele staunten nicht schlecht beim ungewohnten Anblick des Mixes aus Industriegebäuden, alten und neuen Architekturstilen und der umliegenden Natur. Winkend und lachend schoben wir uns Meile für Meile näher an unseren Liegeplatz.

Zum Mittagessen machten wir dann im Hafen fest, direkt vor einem gelben Schloss alter Tage, neben Häusern einer längst vergangenen Zeit. Und einem großen, nein riesigen Bullen, einer Statue, neben der nachts noch viele ausgelassene Beine tanzen sollten.

Nach und nach durften alle Menschen das Schiff verlassen und Ventspils erkunden. Viele zog es barfüßig laufend zum Strand, wo der Sand sich sanft um die, inzwischen Wanderschuhe gewöhnten, Füße legte und das Wasser an den Zehen kitzelte. Natürlich darf bei so einem Ausflug jugendliche Tollerei nicht fehlen, die darin endete, dass auch die trockenen und sauberen Landgangsklamotten durchnässt und triefend in die Badetasche gestopft wurden.

Erschöpft und beglückt machte man sich auf den Heimweg durch die Stadt, wo von fleißigen Helferbienen ein wunderbares Abendessen zubereitet wurde. Verschiedene Salate und Aufstriche standen bereit und Aufläufe und anderes Fingerfood brachten die Buffettische fast zum Durchbiegen.

Und welch besseren Abschluss eines solchen Tages hätte es geben können, als ein gemeinsames Beisammensein an Deck, für das jede Wache irgendetwas ganz verrückt absurdes, lustig überspitztes oder geheimnisvoll rätselhaftes vorbereitet hatte. Gelacht wurde viel. Gelacht, gemeinsam geraten und der Törn gefeiert. Die Gemeinschaft genossen und zu Musik gefeiert.

Man freute sich, irgendwann einmal erneut aufeinander zu treffen und dann zusammen erlebtes im Rückblick miteinander austauschen zu können.

In diesem Sinne meine Freunde,
sehen wir uns auf der Roald. Einem Ort der Begegnung, Völkerverständigung. Des Erlebens und Selbsterkennens. Einen Ort, an den es sich lohnt wieder zurückzukehren.

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