Tagesmeldung vom 24.10.2026

Tagesmeldung vom 24.10.2026

Törn 0940 | Mor Breizh Westwärts
Kabelkanäle und Sikaflex

 

Position 50°48,5′ N|001°05,5′ W
Kurs, Speed 000 | 0,0kn
Etmal 0nm
Wind WNW – 7+bft
Luftdruck 995 hpa
Bedeckung 8/8
Temp (L/W) 13°C, 12°C

Kabelkanäle und Sikaflex

Heute begann mein Tag sehr früh. Als die Hafenwache für 06:00 geweckt wurde, stand ich mit auf und traf auf verwunderte Augen, was ich so früh an Deck wolle. Hier wird ja immer was von seniler Bettflucht gemunkelt, aber in diesem Fall handelte es sich um reinen Vorsatz: Der Baumarkt macht um 07:00 auf!!! Kann man da denn nicht später hin? Man kann, aber ich nicht. Nach dem Frühstück sollen wir das Schiff an eine andere Pier verlegen und nachmittags soll das Wetter wieder schlecht werden. Bis dahin soll die Topplaterne endlich wieder funktionieren!

Als ich ein paar Minuten nach 07:00 vor dem Baumarkt stand, war alles dunkel. WAS? Dafür bin ich 45 Minuten gelaufen? Vergebens? Nee, das geht gar nicht! Zum Glück fand ich so etwas wie einen Seiteneingang, und es stellte sich heraus, dass die nur Strom sparen wollten und das volle Licht erst um 08:00 andrehen. Puh, das hätte mich jetzt auch echt gefuchst!

Auf dem Weg habe ich noch sämtliche Telefonjoker genutzt, die ich hatte. Verena für detaillierte Ideen für die Kabelverlegung und meinen privaten Bootsbauer für die Anwendung von Sikaflex.
Was denn eigentlich passiert war? Nun, unser vorderes Topplicht funktionierte nur teilweise. Ein Wackelkontakt. Der Kapitän selbst hatte sich das Problem auf die Fahne geschrieben und immerhin schon herausgefunden, dass das Kabel im Mast defekt sein müsse. Alles andere funktionierte noch. Also hatten wir begonnen, in und vor Kammer 10 die Deckenverkleidung abzubauen und den Kabelkanal in den Mast freizulegen. Dann wurde das alte Kabel oben an der Lampe im Mast abgebaut und aus dem Mast gezogen, ein dünnes Seil hinter sich herziehend, an dem dann das neue Kabel eingezogen werden sollte. Das ging zum Glück ziemlich reibungslos. Und siehe da, das alte Kabel war an einer Stelle gebrochen!

Nachdem wir die Roald mit vereinten Kräften auf ihren neuen Liegeplatz verlegt hatten, wurde schnell das neue Kabel eingezogen, was zum Glück auch ziemlich problemlos ging. Dann begann erst die eigentliche Arbeit: das Kabel wieder anschließen oben und unten, und dann alles wieder zurückbauen. Vor dem neuerlichen großen Regen aber sollte noch die Kabelführung im Mast abgedichtet werden.

Und nun kommt das Sikaflex ins Spiel. Hart gewordene Tuben, die beim Versuch, aus der Pistole herausgenommen zu werden, platzen und den restlichen noch nicht ausgehärteten Rest überall in der Bootsmannslast und auf meinen Händen verteilen… Na prima! Bis das einigermaßen geregelt war, kletterten wir in den Mast, um das Loch, durch das die Kabel in den Mast laufen, wieder wasserfest abzudichten. Gefühlt war danach erst recht alles voll Sikaflex, nicht nur meine Hände, nun auch noch die Haare. Wie gut, dass es Scheren an Bord gibt!

Nass geregnet und nass geschwitzt ging es gleich weiter unter Deck, alle Kabel wieder ordentlich verlegen, die Isolierung wieder verkleben und die Verkleidung wieder anbauen. Na, wenn ich mir mein Guinness heute Abend nicht verdient habe!!!

Auf alle Fälle hat der Kapitän den Rekord gebrochen (mindestens für diesen Törn!), wie oft man am Tag so in den Mast klettern kann, auch seine Hände weisen schwarze Flecken auf (vielleicht doch die Pest?). Und außerdem wurde parallel noch an vielen anderen Baustellen gearbeitet. So wurden fleißig diverse kleinere Reparaturen ausgeführt, der Draht für das Klüvernetz bekleedet, geputzt und gewienert, die Bootsmannslast aufgeräumt,…

Na, und dann wurde noch die Ausbildung im Schifffahrtsmuseum fortgeführt. Also ein absolut ausgefüllter und perfekter Tag!!!
Und nun ab in die Koje, morgen geht’s früh los, endlich wieder in See stechen!

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