Tagesmeldung vom 18.06.2023

Tagesmeldung vom 18.06.2023

Tagesmeldung von Bord
Törn 0809 | Lilla Torg und Windjammertreffen
Kiel Leuchtturm

Position 54°30′ N|010°15′ E
Kurs, Speed 185 | 4kn
Etmal 8nm
Wind W – L

Kurz westlich des Kieler Leuchtturms vor Anker. Schon frühmorgens saugt die Sonne den Dunst aus der Ostsee und der Horizont verschwimmt. Oder sind es schon die ersten Abschiedstränen, die den Blick verschleiern?

Letzter Seetag, Frühstück an Deck, Sonnenbrille, Duft von Sonnencreme. Der Tag wird uns die Einfahrt in die Kieler Förder bringen und mir als Steuermannanwärter am Sonntagmittag ein Feuerwerk von kreuzenden Seglern, Ausflugsbooten, Freizeitkapitänen und dicken Pötten, die aus der Holtenauer Schleuse kommen. Ein Radarschirm voller Punkte und AIS Symbole. Noch ein ordentliches Reinschiff, noch eine Dingiübung, dann geht der Anker auf. Der muckt und will noch nicht in den Hafen, dreht sich quer, aber der Maschinist kennt dessen Tricks und bringt ihm schnell die rechte Lage in der Klüse bei.

Mit langsamer Fahrt geht es im Fahrwasser in die Förde hinein. Während Stammcrew und Trainees gemeinsam die Rahsegel hafenfein packen – nach einer Woche auf See geht das wie geschmiert -, besetzen wir die Brücke doppelt, zusätzlich zum Ausguck. Kaum Wind, die Tonnenleger der Regattabahnen treiben nur herum. Manchmal muss unser Warnsignal querende Segler aufmerksam machen, mit dreimal Lang grüßt das dröhnende Typhoon befreundete entgegenkommende Schiffe.

Viele andere Groß- und Traditionssegler nutzen die leichte Brise um mit ihren Tagesgästen hinaus zu kreuzen. Kurz lassen wir vorm Zufahrtsbereich der Schleuse noch einen Kreuzfahrer passieren, dann stehen die letzten drei Meilen an. Am Ufer bingelt, blinkt und brät schon das Kieler-Woche-Treiben, Riesenräder und funkmasthohe Karussells sind unsere Landmarken. Ein bisschen vermisse ich schon jetzt die Weite und Ruhe der See. Von Malmö bis Kiel waren wir keine Nacht im Hafen.

Die Wurf- und Landleinen sind vorbereitet und gediegen gleitet unsere Roald an den Liegeplatz, backbord längsseits, auf den Poller genau. Später werden sich Oosterschelde, Amphritite und Seute Deern dazugesellen und mit uns „das Päckchen“ bilden. Der Proviantmeister nimmt die letzten kleinen Nachbestellungen für das Captain’s Dinner entgegen, dann wird geschnippselt und kurz danach gebrutzelt.

Um 20 Uhr klingt die Glocke und eröffnet das Buffet, im lauen Abend an Deck. Bei den Verteilung der Seemeilenbestätigungen gibt es für jeden nette Worte und man spürt den Stolz, denn der Kapitän verteilt da ja auch Zeugnisse der bestandenen persönlichen Abenteuer. Der Abend klingt an Deck aus, über uns ein dämmernder Mittsommerhimmel und der Mastenwald mit seinen Rahen, Wanten und Wimpeln. Bis zum nächsten Törn gute Roald, bis zum nächsten Törn liebe Mitsegler!

Thomas

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