Tagesmeldung vom 18.05.2026

Tagesmeldung vom 18.05.2026

Törn 0916 | AB-Törn Gabelsflach und Fördenwelt
westliche Ostsee

Position 5434,9 N|01018,0 E
Kurs, Speed 000 | 0kn
Etmal 12nm
Wind ESE – 2-3bft
Luftdruck 1014 hpa
Bedeckung 8/8
Temp (L/W) 14°C, 13°C

Tagesbericht – An Bord der Roald Amundsen

Der erste Morgen nach unserer ersten Nacht auf See begann mit einer besonderen Mischung aus Aufregung und Aufbruchsstimmung. Noch leicht geprägt vom ungewohnten Rhythmus an Bord, fanden wir uns schnell in den klar strukturierten Abläufen des Segelalltags ein. Gleich zu Beginn des Tages stand eine wichtige Aufgabe an: Wir haben viele weitere Arbeiten im Rigg erledigt, wobei Momente die nicht nur handwerkliches Geschick forderten, sondern auch das Gefühl vermittelten, aktiv Teil dieses traditionsreichen Zusammenspiels aus Mensch, Wind und Schiff zu sein.

Solche Momente werfen unweigerlich eine Frage auf: Wie eindrucksvoll muss es gewesen sein, vor 300 Jahren auf diese Weise die Welt zu erkunden? Ohne moderne Navigation, ohne Sicherheitsstandards und dennoch mit einem erstaunlichen Verständnis für die Mechanik des Segelns. Begriffe wie Gordinge, Schoten und Brassen sind keine moderne Erfindungen, sondern zeugen von einem tiefen, über die Jahrhunderte gewachsenen, Wissen. Es ist faszinierend zu erkennen, wie durchdacht und effizient diese Systeme damals bereits waren.

Im Verlauf des Tages begleiteten uns immer wieder zeichnerische Regenfronten die am Horizont aufzogen. Doch statt die Stimmung zu trüben, verliehen sie der Szenerie eine beinahe dramatische Schönheit. Besonders eindrucksvoll war der Anblick einer heranziehenden Front, die sich wie ein lebendiges Gemälde über den Horizont schob, ein Naturschauspiel, das uns für den Moment innehalten ließ. Der Wind frischte auf, die See reagierte, und doch blieb alles kontrollierbar , eingebettet in die Routine und Sicherheit an Bord.

Graue Wand am weiten Rand,
Wind trägt Wasser auf das Land
doch statt Sturm und schwerem Blick
bringt der Regen staunen mit

Der Tag hat uns nicht nur praktische Fertigkeiten nähergebracht, sondern auch eine neue Perspektive auf die Geschichte der Seefahrt eröffnet.
Zwischen Arbeit an Deck und den stillen Momenten beim Blick auf das offene Meer wird deutlich: Segeln ist weit mehr als nur Fortbewegung , es ist ein Zusammenspiel aus Natur, Technik und menschlicher Erfahrung, das bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat.

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