Tagesmeldung vom 07.09.2026

Törn 0933 | Haff und Brigg
Mecklenburger Bucht
Position 54°36,9 N|012°52,9 E
Kurs, Speed 240 | 4,5kn
Etmal 19nm
Wind S – 4bft
Luftdruck 1019 hpa
Bedeckung 4/8
Temp (L/W) 19°C, 17°C
Der Wind ist mit uns
Früher Morgen, alle sind an Deck und hängen an Käpt’n Thams Lippen. Ebenjener: „Der Wind hat sich nu so entwickelt, wie ich mir das vorgestellt habe!“ Allgemeine Begeisterung kommt auf. Tham verkündet weiter, dass wir heute einige Segel setzen werden. Genauer gesagt wollen wir unter den Marsen (ja, zwei, das geht, wenn es keinen Planeten bezeichnet, sondern Segel) und dem Vor-Bram starten. Und es bricht tatsächlich der erste Tag ohne Motor an. Das ist das worauf viele gewartet haben. Unsere Wetterfee Heike war also überaus erfolgreich, behält aber das Geheimnis ihres Erfolges für sich.
Zuerst aber muss der Anker hoch. Dieses stählerne Ungetüm ist eine beeindruckende Erscheinung und ebenso die Kette, die ihn trägt. Was ist also zum Beispiel zu tun? Nun, eine der vielen interessanten Aufgaben an Bord, deren Notwendigkeit vor dem ersten Törn nicht in den Sinn kommt, ist folgende. Während der Anker hochgezogen wird, muss die Kette langsam aber sicher irgendwo verstaut werden. Es gibt dafür einen Kasten, und spannend, aber auch anstrengend ist es, die Kette nach und nach in schönen (nun, so schön wie eben möglich) Buchten in selbigem unterzubringen. Man steht zu zweit unter Deck, wechselt sich im Minutentakt ab; ist froh über die Schutzanzüge, die den Schmutz abfangen, der trotz sorgfältigem Spülen der Kette unausweichlich mitkommt. Und dann ist es geschafft. Na ja, fast. Der Anker hängt falsch herum, wie ein aufmerksamer Mitsegler bemerkt. Nach ein wenig Manövrieren ist jedoch auch dieses Hindernis genommen und es geht endlich los. Beeindruckend, was geht, wenn alle an Bord zusammen arbeiten.
Auch das Setzen der Segel ist eine gemeinschaftliche Aufgabe, bei der alle helfen wollen. Wie geplant erheben sich unsere Vor-Bram, Vor-Untermars, Vor-Obermars, Groß-Untermars und Groß-Obermars durch Menschenhand an den Masten, fangen den Wind ein, und bewegen das Schiff. Ein wunderbares Gefühl. Anschließend machen wir uns über das wohlverdiente Frühstück her.
Dann beginnt der Bordalltag. Manche ziehen sich zurück, um Kräfte zu tanken. Manche genießen die Aussicht über das Meer unter aufgehender Sonne. Der Rest hilft bei diversen Tätigkeiten, die hier und da anfallen. Langeweile kommt keine auf. Selbst beim Nickerchen in der Koje fühlt man: „Das ist anders. Ich bin schon erschöpft, aber froh. Und ich kann in Ruhe die Augen schließen während fähige Leute sich darum kümmern, dass wir sicher weiter schippern.“ Das Mittagessen ist lecker wie immer. Man weiß inzwischen, dass man nicht in allen Lebensbereichen Komfort abgibt.
Ein Höhepunkt (nicht nur im übertragenen Sinne) ist für viele das Aufentern ins Rigg. Gleichzeitig stellt dieses Klettern in luftiger Höhe oft das dar, was am meisten Gewöhnung erfordert. Niemand muss, alle dürfen. Und als die Vor-Royal gesetzt und später wieder geborgen werden soll, mangelt es an Freiwilligen nicht. Ich persönlich nutze den Zeitpunkt, um nochmal Probe zu klettern. Es geht heute schon erstaunlich ruhiger als gestern beim ersten Mal. Kaum unten angekommen, eröffnet sich die nächste Gelegenheit, mich zu überwinden. Drei Leute müssen auf den Klüverbaum steigen. Das bedeutet ganz vorn ans Schiff. Wieder eine neue Perspektive. Wieder begleitet von tollen erfahrenen Crew-Mitgliedern, die nie hetzen und jederzeit mit helfender Hand zur Seite stehen. Gesagt, getan.
Und so lassen wir Seemeile für Seemeile auf der Ostsee hinter uns. Zwischenzeitlich auf dänischen Gewässern. Zum schönen Abschluss des Tages begegnen wir der Amphitrite, einem befreundeten Großsegler. Das ruft nicht nur ein kameradschaftliches Gefühl hervor, sondern bietet uns jetzt einen Ausblick, ähnlich jenem, den neugierige Yachten haben, wenn sie uns näher kommen.
Klaus und Jakob grüßen Hochmühlbruch-Miesau
Höppi grüßt seine Perle
Alexander grüßt KH40
Wetterfee Heike grüßt nach Edingen-Neckarhausen