Tagesmeldung vom 21.10.2026

Törn 0940 | Mor Breizh Westwärts
Auf nach Portsmouth
Position 50°48,6′ N|001°05,5′ W
Kurs, Speed 310 | 4,3kn
Etmal 104nm
Wind W – 7+bft
Luftdruck 994 hpa
Bedeckung 8/8
Temp (L/W) 13°C, 12°C
Tagesmeldung 21.10.
Geweckt mit der Verheißung eines großartigen Sternenhimmels (die leider dann doch nicht erfüllt wurde),
stand unsere Wache wieder vor einigen navigatorischen Herausforderungen.
Natürlich das schon bekannte hohe Verkehrsaufkommen in Kombination mit Strom und Wind und dann das richtige Timing.
Schließlich hatten wir ein festes Date mit unserem Lotsen für die Einfahrt in den Hafen. Ungewohnterweise waren wir tatsächlich zu schnell! Einfach „rechts ran fahren“ und warten war natürlich keine Option. Also wurde der Kurs gesucht, auf dem wir am langsamsten vorankamen. Ohne dabei zu langsam zu sein und die Steuerfähigkeit gänzlich aufzugeben – eine Art Beiliegen unter Maschine.
Nachdem dabei der erste Vollkreis „in die Karte gemalt“ war, war der kreative Ehrgeiz geweckt: Buchstaben schreiben mit Stift auf Papier ist ja einfach.
Wir machen das mit dem Schiff in die elektronische Kursaufzeichnung. Ein Herz malen wir dir beim nächsten Versuch, Peer! Bei einem Kapitän namens Kurt oder Kevin wäre die Würdigung sicher weniger gelungen. Tags zuvor war übrigens das Großstengestagsegel beim sturmfest Packen schon in ein „J“ verwandelt worden, was spontan von einem Teilnehmer des letzten Ausbildungstörns als Reminiszenz an einen Ausbilder gedeutet wurde. Mal sehen, was das Roald-ABC noch hervorbringt.
Irgendwann war dann aber doch wieder ernsthaftes Vorankommen dran, das Wetter erinnerte schon deutlich daran, warum wir auf dem Weg in den Hafen waren. Im All-Hands und immer wieder heftigem Regen war einiges vorzubereiten, um den Lotsen sicher an Bord zu nehmen, bei Bedarf das Dinghi auszusetzen und schließlich im Hafen festzumachen. Dabei immer wieder kurze Diskussionen an Deck: „Was ist das jetzt für eine Windstärke? Ist das ´ne 8? Böen in 9?
Oder schon 10?“ Manche Schätzungen wurden immer wilder.
Das Dinghi kam nicht mehr zum Einsatz – die vom Lotsen angebotene Schlepperhilfe nahm die Schiffsführung gerne an. Vom Hafenschlepper längsseits genommen, wurden wir also einfach sanft quer an die Pier geschoben. Ein nicht alltägliches Erlebnis.
Im Laufe des Nachmittags stellte sich heraus, dass unsere Position noch nicht ideal war und es für das Zusammenspiel von Leinen, Fendern und Pierkonstruktion schlau wäre, einen knappen Meter achteraus zu verholen. Aber jetzt nochmal Maschine an? Auch wenn mancher darüber staunt: Das geht auch ohne Emma. Leinen, Spill und motivierte Menschen an den Spillspaken reichen völlig.
Nun liegen wir sicher am richtigen Platz, planen das Ausbildungsprogramm für die nächsten Tage, haben die erste Theorieeinheit schon hinter uns und beobachten verwirrt, ja fast hypnotisiert und staunend das ungewöhnlich hektisch-zappelige Wackeln der Muggen an ihren Haken.