Tagesmeldung vom 06.09.2026

Tagesmeldung vom 06.09.2026

Törn 0933 | Haff und Brigg
Südostlich Greifswalder Oie

 

Position 54°12,9 N|013°59,1 E
Kurs, Speed 335 | 4,6kn
Etmal 19nm
Wind NW – 5bft
Luftdruck 1021 hpa
Bedeckung 6/8
Temp (L/W) 16°C, 16°C

Das Alibi-Segelboot und der sprechende Hut

Der Tag beginnt schon damit, dass man keine Dusche unter Deck braucht, weil das Salzwasser an Deck uns fast davonspült. Besonders am Ausguck musste man sich in den Morgenstunden heute warm und wasserfest anziehen. Aber von vorn: Heute erklang die Weckmusik aus der Musikbox für alle (eher unüblich im Wachsystem) bereits um 5.30 Uhr. Nachdem nun das ganze Schiff (natürlich) gut gelaunt auf den Beinen war und mehr oder weniger pünktlich um 6 Uhr an Deck stand, ging der Tag auf der Roald los, wir stechen in See!

Naja, vorher muss natürlich die Gangway abgebaut werden, das Regenzelt braucht auf See auch niemand mehr und dann muss man mit den Fendern bereitstehen. Heute haben wir Hilfe auf der Hafenseite und müssen praktischerweise kein Dinghi aussetzen (was nicht heißt, dass wir es nicht trotzdem getan haben). Unter der Maschine legen wir ab, Swinemünde und die alten Hafenanlagen ziehen an uns vorbei.

Und dann geht es für uns endlich mit dem Wachsystem los: Wache 3 steht um 8 Uhr bereit, wünscht Wache 2 eine „Gute Ruh“ und macht sich an die Arbeit. Heute müssen wir leider den gesamten Weg unter Maschine zurücklegen, der Wind steht ungünstig. Was nicht heißt, dass nichts gelernt wird. Bei Wind und Wellen wurde geübt, das Beiboot (unser Dinghi) auszusetzen, die ersten verschwanden aber hier schon mysteriöserweise in der Koje (man munkelt der Wellengang war für einige Mägen zu stark). Weiter ging der Ausbildungstag mit Segelnamen-Kunde, Ruder-Gehen und dem Ausguck vorne an Deck, wo heute alle wie ein Fels in der Brandung standen und auch genauso nass geworden sind (Respekt an alle Ausgucker heute!).

Nachdem wir irgendwann dann doch unserem Segelschiff seinen Namen Ehre machen wollten haben wir nicht drei und auch nicht fünf Segel, nein wir haben ein Segel gesetzt (dafür ein sehr schönes, das Großstengestagsegel). Von außen macht das viel her, ist aber leider nur ein Alibi-Segel. Zwar macht es uns ganze ein bis zwei Knoten schneller, aber der Motor bleibt trotzdem an. Und weil man als Maschinenschiff andere Rechte hat als ein Segelschiff müssen wir das auch nach außen kennzeichnen (Menno…). Das war ein ganz besonderer Moment für alle Harry Potter Fans, da das nautische Zeichen dafür entweder lieb gemeint als Regenfänger durchgeht oder von bösen Zungen als Schandkegel bezeichnet wird. Für uns war das schwarze, dreieckige Gebilde aber ganz klar der sprechende Hut aus Harry Potter (vielleicht sagt er einem ja in Zukunft, in welche Wache man eingeteilt wird?)

Damit war das Meiste der Arbeit der Wache drei dann auch getan, die polnische Küste haben wir derweil hinter uns gelassen und passieren Usedom. Dann gab es für uns viel Freizeit zum Erholen, zum Schlafen, Spiele spielen oder gegenseitigem Segel-Erklären. Währenddessen haben auch die Wache 1 und 2 geübt, das Dinghi auszusetzen und das Vorstengestagsegel zu setzen.

Und als Kirsche auf der Sahnetorte (zumindest für unsere Steuerfrau Heike, die das gute Wetter für den Nachmittag bestellt hatte) haben wir die Greifswalder Oje mit Leuchtturm passiert. Und dann kamen sie endlich: „The white cliffs of Rügen“, wie wir sie gerne nennen ;-). Vorm Ankersetzen wurden noch die beiden Segel geborgen und mit gesetztem Backbord-Anker sollten wir die Nacht nun auch an Ort und Stelle verbringen.

Es geht weiter mit üppigem Abendessen. „Man ist ja quasi dazu gezwungen, vier Scheiben Brot zu essen, wenn es eine so tolle Auswahl an Aufstrichen gibt“, ist jemand aus der Nautikabteilung überzeugt. Die Meinung teilen auch fast alle, die Teller sind am Ende des Tages restlos leergefegt.

Zuletzt werden noch einzelne Arbeiten am und im Rigg vorgenommen und die ausgelassene Sonnenuntergangs-Atmosphäre zwischen Tampen und Masten genossen. Und am schönsten ist natürlich die Vorfreude auf den nächsten Tag. Hoffentlich werden wir unsere Zeiten von heute (52 Seemeilen bei 4,5 Knoten) noch toppen können. Dank unserer Wetterfee Heike kommt hoffentlich der Wind auch aus der richtigen Richtung und wir können zum Segelschiff (ohne Alibi) werden!

Zum Abschluss noch ein Gruß an Anneke, Nils und das Fichtelgebirge und bis morgen!

Herzlichst, Marie und Mia aus der Wache 3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert