Tagesmeldung vom 01.08.2026

Törn 0926 | Hanseroute Hafflängs 2026/II
Tromper Wiek
Position 54°42,6′ N|013°32,8′ E
Kurs, Speed 273 | 2,7kn
Etmal 128nm
Wind NNW – 3bft
Luftdruck 1016 hpa
Bedeckung 7/8
Temp (L/W) 18°C, 18°C
Tagesmeldung vom 01.08.2026
Es gibt diese Tage, die gibt es eigentlich nur im Kino oder im Roman.
Was erwartest du, wenn du an einen Segeltörn auf der Roald Amundsen denkst?
Wind? Wie wäre es mit Windstärke 3 bft bis 5 bft? Windrichtung? Wie wäre es, wenn die Windrichtung egal ist, es keine ungünstige Windrichtung gibt?
Niederschlag? Wer wünscht sich schon Regen auf einem Segeltörn? Schöner ist doch trockenes Wetter, leicht bewölkt oder Sonne, vor allem zum Sonnenuntergang.
Und dazu Temperaturen bis 20°C, bei denen man sich mit langer Kleidung gegen Sonnenbrand schützen kann, ohne gleich zu schwitzen und bei denen man, wenn man vor Anker in einer romantischen Bucht vor Kap Arkona liegt, die Sitzgarnituren an Deck auspacken und dort unter freiem Abendhimmel bei einer lauschigen Abendbrise Abendbrot essen kann.
Doch macht ein solches Wetter noch keinen Segeltag aus.
Dazu gehören Segel-Manöver: Segel setzen und Segel bergen, vielleicht sogar eine Halse auf einem Rahsegler fahren, ein ganz besonderes Ereignis! Wenn zwei Halsen dann das Glücksgefühl von Stammmannschaft und Trainees verdoppeln, würden dann 5 Halsen an einem solchen Tag das Glücksgefühl verfünffachen? Und wenn man an genau diesem Tag auch noch zusätzlich 2 Wenden fährt, die Königsdisziplin auf Rahseglern, kann man dann noch das Erlebte überhaupt beschreiben?
Es gibt sie wirklich, diese Tage. Heute war so ein Tag und aus eigener Erfahrung müssen wir gestehen: Ein solches Glücksgefühl lässt sich nicht in Worte kleiden, ihr müsst es einfach selbst ausprobieren, auf einem Törn auf der Brigg Roald Amundsen!
Dabei waren wir bis 8 Uhr unter Motor Richtung Insel Rügen unterwegs, um dann aber viele Segel zu setzen und mit All Hands all die oben beschriebenen Manöver zu fahren. Tatsächlich an einem einzigen Tag. Die Stammcrew hatte die Gelegenheit, die Manöverabfolge zu trainieren und wir Trainees wuchsen über alle Wachen hinweg zusammen bei All hands, lernten die Tampen in- und auswendig kennen. Wir sind als eine Crew angekommen.
Die Küstenwache schaute uns von Ferne zu, als wir Schlangenlinie fuhren, wieder und immer wieder. Hätte das jemand mit einem Auto getan, wäre er definitiv von der Polizei zu einem Alkoholtest vorgeladen worden! Die Roald Amundsen tanzte aber ungehindert auf der Ostsee ihren Reigen aus Halsen und Wenden.
Und als abends dann die Ankerkette in der Tromper Wiek vor Juliusruh rasselte, natürlich aus Fahrt unter Segeln heraus, da waren wir alle selig vor Glück. Das Packen der Segel in der untergehenden Sonne war da nur noch das i-Tüpfelchen auf einen für alle sicher unvergesslichen Tag.