Tagesmeldung vom 08.04.2026

Törn 0911 | King’s Trough und Tiefseeberge
auf dem Nordatlantik
Position 47°41,6′ N|011°51,0′ W
Kurs, Speed 022 | 3,8kn
Etmal 90nm
Wind NE – 5bft
Luftdruck 1027 hpa
Bedeckung 6/8
Temp (L/W) 14°C, 12°C
Autor: Paula
Titel: gleicher Ort, anderes Gefühl
Datum: 08.04.26
Schiff: Road Amundsen
Etmal: 67sm
Position: 47* 41,6‘ N 011* 51‘ W
Durchschnittliche Geschwindigkeit: 3,8 kn
Zwei Tage vor dem englischen Kanal. Hier waren wir irgendwie schon einmal. Wie lange noch bis wir die Kreidefelsen wiedersehen? Mit dem baldigen Eintritt in den englischen Kanal geht unsere Reise nun wirklich zu Ende, die gleiche Strecke, die wir schon einmal gesegelt sind, auf dem gleichen Schiff, mit den gleichen Leuten. Nur, dass irgendwie doch alles anders ist.
Vor sechs Monaten standen wir alle fischefütternd am Schanzkleid, jetzt ist kaum noch jemand wirklich seekrank – niemand mehr an der Reling, liegend in der Messe und auch keine Eimer mehr in den Kammern. Während wir den ersten Monat fast komplett gemotort sind, können wir auf dem Rückweg ab und zu die Stille genießen, wenn der Motor ausgeht und nur die gesetzten Segel uns vorantreiben. Während wir in den ersten Wochen zur Wache immer mit: „es ist arschkalt und nass draußen“ geweckt wurden und nach dem Wachende alles salzig war, haben wir jetzt ziemliches Glück mit dem Wetter. Zwar kommen ab und zu Wellen über und vor allem im Ausguck bekommt man Spritzwasser ab, aber bisher habe ich noch keine nassen Füße bekommen…
Wir kannten uns kaum, alles war neu und niemand kannte sich mit all den Tampen, Segeln und dem Bordalltag aus. Ich weiß noch, wie wir in den ersten Tagen fast alle umgefallen sind, als wir an einem Fall holen sollten, weil wir noch nicht an das Schwanken des Schiffes gewöhnt waren.
Über die Zeit sind wir zu einem echt starken Team geworden. Die Schiffsübernahme ist immer noch im vollen Gange und alle Stammcrewposten, von Steuermann über Kapitän und Bootsmann bis zu Koch und Social Media Manager, sind mit Schülern besetzt. Da wir unter unserem Kommando weder alle eine Lebensmittelvergiftung erlitten, noch irgendetwas gerammt haben, denke ich, haben wir im vergangenen halben Jahr nicht nur enorm viel über uns selbst gelernt, sondern können nun auch dieses Schiff segeln (vielleicht mit ein wenig Hilfe der Steuerleute) und das Bordleben alleine aufrechterhalten.
Obwohl ich mich so sehr auf zuhause, meine Familie und Freunde (und Lieblingsessen!!) freue, so traurig macht es mich auch in den Kammern schon gepackte Taschen zu sehen und die Zeit mittlerweile schon fast in Stunden ausrechnen zu können, die wir noch zusammen haben.
So sehr hoffe ich den Kontakt untereinander nach der Reise nicht zu verlieren nach all den Sachen die wir zusammen erlebt haben.