Tagesmeldung vom 06.04.2026

Tagesmeldung vom 06.04.2026

Törn 0911 | King’s Trough und Tiefseeberge
auf dem Nordatlantik

Position 46°39,5′ N|015°44,7′ W
Kurs, Speed 041 | 6,7kn
Etmal 160nm
Wind SSE – 7bft
Luftdruck 1006 hpa
Bedeckung 6/8
Temp (L/W) 15°C, 13°C

Autor: Nik
Titel: Die Rolle des Steuermanns
Schiff: Roald Amundsen
Datum: 06.04.26
Nautische Position: 46*39,5‘N 015*44,7‘W
Kompass Kurs: 050
Etmal: 160 sm
Durchschnittliche Geschwindigkeit: 6,7 kn

Während der Schiffsübernahme nimmt jeder Schüler/Watchleader eine Rolle an Bord an. Meine Position war die vom ersten Steuermann. In der heutigen Nachtwache bin ich das letzte Mal in dieser Rolle gefahren, bevor für die nächsten vier Tage die andere Gruppe an der Reihe ist.
Die wichtigste Aufgabe eines Steuermanns ist es eigentlich, viele Dinge auf einmal im Blick zu haben. Man muss dafür sorgen, dass das Schiff auf dem richtigen Kurs bleibt, damit man am Ende auch im Zielhafen ankommt. Wenn der Rudergänger also mal für längere Zeit vom genannten Kurs abweicht oder diesen nicht halten kann, muss man ihn entsprechend anpassen.
Dabei kann man aber nicht einfach die Richtung ändern, da man auch immer auf die Segelstellung acht geben muss. Manchmal hilft es, wenn der Kurs nicht gehalten werden kann, die Segel anzubrassen oder der Kurs muss doch geändert werden und auch dann muss manchmal die Segelstellung verändert werden. Es ist ein ständiges Spiel mit dem Wind und eine Abwägung, was am zielführendsten ist.
Der Wind und das Wetter müssen nämlich auch durchgehend beobachtet werden. Kommt bald ein Winddreher, wird er stärker oder schwächer? All das sollte man schon im Voraus wissen, um sich entsprechend vorzubereiten. Außerdem ist es praktisch, wenn man weiß, ob bald eine Regenfront durchzieht. Dann kann man sich rechtzeitig mit den Worten: „Ich muss einen Punkt in die Karte einzeichnen“ in die Navi verziehen und bleibt trocken 🙂.
Das ist zu jeder volle Stunde nicht mal gelogen. Nach 60 Minuten muss man immer die derzeitigen Koordinaten ablesen und in eine analoge Karte eintragen. Das macht man, um die gefahrene Strecke zu dokumentieren. Dabei kann man zusätzlich ablesen, wie viele Seemeilen man zurückgelegt hat und was der durchschnittliche Kurs über Grund war.
Dabei werden zusätzlich auch immer gleich die Logbuch Eintragung gemacht. Man trägt also alle wichtigen Informationen der letzten Stunde in das Logbuch ein. Beispielsweise die Lufttemperatur und den Luftdruck, den Magnet-Kompasskurs und den wahren Kurs über Grund (da gibt es eine kleine Abweichung), die Windstärke und -richtung, die derzeitigen Koordinaten und sonstige Informationen darüber, was in der letzten Stunde so passiert ist.
Zum Schluss kontrolliert man als Steuermann auch die Ablösungen von Rudergänger und Ausguck. Dabei schaut man, ob der richtige Kurs an den nächsten Rudergänger übergeben wurde und ob alle Sichtungen des Ausgucks auch der folgenden Person genannt wurden.
Was die Rolle des ersten Steuermanns in den letzten Tagen von den anderen beiden Steuermännern unterschieden hat, konnte man bei unseren Boje über Bord Übungen sehen. Dort hat jeder Toppsgast und Steuermann eine eigene, zugewiesene Rolle. Ich musste zum Beispiel die Koordination der Einsatz- und Unterstützungsgruppe übernehmen. Das heißt, ich habe die Anweisung gegeben, was beispielsweise mit dem Dinghi geschehen soll und wann die Bootsbesatzung zur Boje fahren sollte. Mir wurde auch immer zurückgemeldet, wenn ein Schritt erfolgt ist und ich somit die nächsten Anweisungen geben konnte.
Die letzten vier Tage haben mir viel Spaß gemacht und es war toll, einen genaueren Einblick in die Rolle als Steuermann zu bekommen. Daher habe ich die letzte Nachtwache nochmal genossen, bevor heute ab 8 Uhr die nächste Gruppe in ihre neuen Rollen geschlüpft ist.

Kristina grüßt Mike und die Karlskrona-Gruppe, frohe Ostern.

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