Tagesmeldung vom 28.08.2025

Tagesmeldung vom 28.08.2025

Törn 0893 | Spuren der Hanseroute
Richtung Rügen

Position 54°44,5′ N|013°50,5′ E
Kurs, Speed 210 | 4kn
Etmal 89nm
Wind SE – 2-3bft
Luftdruck 1008 hpa
Bedeckung 8
Temp (L/W) 20°C, 17°C

Kuckuck, heute schreibt die 4-8 Wache 🙂

Die Wache begann mit der Übernahme eines Motorschiffes.
Und Wetter, viel Wetter.

Unser Wetterfrosch meldet eine aufziehende Warmfront und sie trägt das Gesicht des Zeus. Lange Tage auf See härten das Herz, eisern, unerschütterlich starren wir dem Donnergott entgegen. Er brüllt in einer Sprache die so alt ist, wie das Wetter selbst. Am Horizont erwartet uns eine Armee aus stählernen, rotäugigen Zyklopen. Gnadenlos zerteilen die dreiarmigen Riesen die Luft. Es gibt Mächte, denen man sich nicht widersetzen kann. Wenn ein Hurrikan aufzieht, dann sucht man Deckung.

Doch als eingespielte Wache kann man sich dem Sturm entgegenstellen, man kann kämpfen und triumphieren. Tapfer stampft Emma, unser 8-Zylinder, dem Gewitter entgegen und ihr gleichmäßiger Gesang erfüllt unsere Herzen mit Mut. Direkt über unseren Köpfen explodiert die Nacht. Bedrohlich knistert die Luft und kurz ist es so hell man wünscht sich eine Sonnenbrille. Der Donner folgt sofort und klingelt noch in unseren Ohren, als schon der nächste Blitz uns das Blut in den Adern stocken lässt.

Unser Ölzeug schützt uns vor dem Regen. Doch endlich teilt sich vor uns die Wolkenfront, als würde Moses selbst uns durch des Donners Wahn führen. Und voraus, mit gesetzten Segeln, die Amphitrite.

Unsere Köpfe sowie die Blitze erhellten den Nachthimmel, der war nämlich zappenduster ….

Alle wachhabenden Schäfchen saßen auf der Brücke beieinander kauern zum Abwettern.
Zwischen Windparks und Cumulonimbus-Wolken tauchte schließlich die Amphitrite auf dem Radar auf.
Da fiel dem roaldischen Elefantengedächtnis ein, dass von der Kieler Woche noch deren Landstromkabel bei uns gestaut war.
Also hieß es kurzfristig und bei strömenden Regen: „Klar zum Aussetzen des Dinghis an Backbord!“

Mit minimalen aber vereinten Kräften setzen wir das Beiboot aus.
Innerhalb von 8 Minuten war das Dinghi bei der Amphi und wieder zurück an unserer Bordwand, erfolgreich das Kabel abgegeben.

Den Wolkenbruch nutzen wir um 0530 zum Reinschiff. Wir schwangen die Schrubber und Möppe übers Deck.

Raimo freut sich über die endlich mal abgeriggten Strecktaue.

Zehn Minuten vor Wachwechsel setzten wir noch geschwind das Vorstengestag, den Innenklüver und das Großstengestagsegel.

Nach einem schnellen Wachwechsel erfreuten wir uns an Rührei →schmackofatz
Jetzt sitzen wir alle in der Messe wie ein Hefeteig: feucht, klebrig, aufgedunsen und geruchsintensiv.

….und so passiert innerhalb von vier Stunden ein ganzer Tag

Der Rest des Tages verlief sehr friedlich unter Segeln immer Richtung Rügen.
Ein letztes seglerisches Manöver, Ankern unter Segeln und jetzt liegen wir bei leichtem Regen vor dem malerischen Örtchen Glowe.

Leonie grüßt die Hasis und die Äitis.
Susanne grüßt Helma ,Moni, Usch und Andi.
Lotta grüßt den Pferdestall in Berlin, den wortkargen Wolfram sowie L/Nina.
Luisa sendet Grüße nach G-Town, B-Town und A-Town

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