Tagesmeldung vom 15.03.2026

Tagesmeldung vom 15.03.2026

Törn 0910 | Interkontinental mit Brigg
Atlantiküberquerung die zweite

Position 40°19,1′ N|042°38,5′ W
Kurs, Speed 042 | 4,8kn
Etmal 111nm
Wind SW – 7bft
Luftdruck 1035 hpa
Bedeckung 7/8
Temp (L/W) 19°C, 18°C

Titel: Vom Dreigestirn und Elferrat
Autor: Emilian
Datum: 15.03.2026
Position: 40°19,1‘N 42°38,5‘W
Kompass Kurs: 035°
Etmal: 111sm
Durchschnittliche Geschwindigkeit: 4,8kn

Wir Schüler hier bekommen ja schon wenig über die Mysterien der Stammcrew-Besprechungen mit, aber ihr zu Hause wisst ja gar nicht, wie viel hier besprochen und organisiert werden muss. Also zeige ich euch einmal einen Tag mit dem Fokus auf unsere täglichen Räte.

Der Tag beginnt früh morgens mit dem Dreigestirn. Das Karnevalsthema der Namen zieht sich inzwischen durch alles. Nun ja, wir starten mit dem Dreigestirn: dem Rat des Prinzen, repräsentiert von unserem Kapitän Thilo; dem Bauern, dargestellt von unserem ersten Steuermann Oliver; und last but definitely not least der Jungfrau, verkörpert von unserer engagierten Projektleitung Deli.
Von diesem Rat geht es in die 8-12-Wache und weiter geht’s mit dem normalen Bordalltag, bis um kurz vor elf. Daraufhin schwärmen die Weckbeauftragten der Wache drei aus, um alle zu wecken, die auch nur im Entferntesten als Stammcrew bezeichnet werden können.
So versammeln sich dann alle zur karnevalstreuen Uhrzeit 11:11 Uhr. Und es ist wirklich jeder da: Vom Kapitän über die Steuerleute, die Maschinistin und den Bootsmann, weiter zu den Toppsis, den Deckshänden, dem Arzt, unserer Projektleitung und nicht zuletzt auch unserer Schülervertretung. Besprochen werden überlebenswichtige Anliegen, z. B. welche Wache Brötchen oder Kuchen backen soll und wie die Qualität ersterer zu einem Optimum gebracht werden kann.
Auf der Brücke wird dann über alles gesprochen, was die Bordgemeinschaft beschäftigt, was anliegt und über weitere wichtige Themen.

Wie man vielleicht merkt, war ich noch nie dabei, meine Informationen sind also vage. Aber zu eurer Aufklärung habe ich mich auf eine kleine Reise begeben und alle, die an diesem Elferrat teilnehmen, befragt, welches Thema ihnen am wichtigsten war beziehungsweise was der Elferrat für sie überhaupt ist:

Thilo (Kapitän): Unsere Besprechung mit den Crewmitgliedern, bei der wir beraten, was wir hier so machen (welcher Kurs, welche Segel, Programm der Schüler und was es zu essen gibt).

Oliver (1. Stmn): Da muss man sich entscheiden, ob man zu Köln oder zu Düsseldorf gehört. Für mich: Köln.

Kristina (2. Stmn): Sicherheit, Unversehrtheit und Unfallvermeidung.

Jana (3. Stmn): Eine Möglichkeit, mit allen wichtigen Personen gleichzeitig zu sprechen und einfach gehört zu werden.

Nico (Arzt): Immer sagen zu können: „Allen geht’s gut.“

Amir (Bootsmann): Organisatorische Abläufe an Bord.

Verena (Maschinistin): Ein großer Informationsaustausch einmal am Tag.

Dreas (Toppsi): Darüber informiert zu werden, was in den nächsten 24 Stunden passieren wird – seitens der Schiffsführung – und die Stimmung von Stamm und Schülern einbringen zu können.

Lotta (Toppsi): „Helau“ zu sagen (auf besonderen Wunsch des Kapitäns).

Olaf (Toppsi): Informationsaustausch und Helau.

Joshua (Deckshand): Die Frage, ob man „Kölle Alaaf“ oder „Helau“ sagt.

Deli (PL): Gewährleistung der Kommunikation zwischen allen Instanzen – und Kölle Helau.

Frank (Deckshand): Das tägliche Helau.

Mona (SV): Jeder redet über seine Probleme.

Max (SV): Ein Austausch zwischen der Crew.

Abschließend lässt sich sagen, dass diese täglichen Räte dafür sorgen, dass wichtige Informationen schnell zu allen gelangen, für die sie wirklich relevant sind. Und wenn wir Schüler an diese Informationen kommen sollen, wird ein Info-All-Hands oder eine SV-Sitzung – quasi eine Vollversammlung aller Schüler in der Messe, die sich dann spontan in eine Sauna verwandelt – ausgerufen.

Jetzt aber mal zum Tag.

Für mich begann der Tag, wie jeder Wachtag, um 3:30 Uhr. Wecken und dann auf zur Wache. Allerdings heute mit einer Besonderheit: Aufgrund der Zeitumstellung hatte die 4-8-Wache heute nur von 5 bis 8 Uhr.
Gegen Ende der Wache wurden dann fleißig Segel geborgen und sturmfest beigefangen. So segelten wir nur noch mit der Vor-Untermars, aber trotzdem mit 5 Knoten. 40 Knoten Wind von achtern sorgen wirklich für ordentlich Speed auf diesem Schiff – und das nur mit Vor-Untermars, Vorstengestag und Innenklüver!
Am Nachmittag hielt Thilo seine zweite Stunde zur terrestrischen Navigation. Allen Interessierten wurden sowohl die Kreuzpeilung als auch andere Peilungsarten und Methoden der Positionsbestimmung gezeigt. Wie immer, war Thilos Unterricht sehr interessant und aufschlussreich.
Gegen Abend zog dann die Kaltfront des Tiefdruckgebiets über uns hinweg. Es folgten ein Winddreher, damit sich eine Runde Brassen lohnte, und ein Temperaturfall um zwei Grad – mittlerweile läuft der Trend an Bord zu zwei Pullis und zwei Jacken.

Aber wir haben ja noch fünf Tage bis zu den Azoren, also kann noch so einiges passieren. Zudem haben wir danach noch die Möglichkeit, uns in der Biskaya und im Englischen Kanal weiteren Wetterphänomenen wie überaus kalter Kälte zu stellen.

Nach dem Winddreher wurde noch fleißig gebrasst, und jetzt geht es auf Koje, um sich morgen halsüberkopf – bei 6m Welle – wieder in den Unterricht zu stürzen.
Egal, was du machst, egal bei wie viel Seegang: Der Schule kannst du wirklich nicht entkommen. In nächster Zeit wird es hier bewegten Unterricht geben – im wahrsten Sinne des Wortes.

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