Tagesmeldung vom 01.09.2026

Tagesmeldung vom 01.09.2026

Törn 093 | Tausend Inseln und noch Meer
Quer ab Bornholm

 

Position 55°06,9′ N|015°18,4′ E
Kurs, Speed 185 | 4,0kn
Etmal 115nm
Wind WSW – 4bft
Luftdruck 1011 hpa
Bedeckung 8
Temp (L/W) 18°C, 18°C

Der heutige Tag beginnt mit einer Schüssel Müsli um 3:45 Uhr und den noch etwas verschlafenen Gesichtern meiner Wache zum Wachwechsel. An Deck ist es schon leicht dämmrig, aber die Sterne verbergen sich hinter der Wolkendecke. Nur der Mond lugt ab und zu dazwischen hervor.

Seit wir aus den schwedischen Schären herausgefahren sind, segeln wir hoch am Wind und machen mit jeder weiteren Seemeile auch Strecke nach Westen gut. Luftlinie ist es nach Swinoujscie nicht weit, aber ein Segelschiff muss sich nun mal dem Wind beugen.

Der Morgen vergeht ruhig mit Ausbildung an Deck, kurz zeigt sich noch das Sternbild Orion, gefolgt von einem unspektakulären Sonnenaufgang ganz nebenbei. Um den Tag zu begrüßen klettern ein paar Leute in den Vortopp und ab 6 Uhr zieht der Duft von frisch gebackenen Brötchen über das Deck.
Ein großer Vorteil der 4-8-Wache ist das entspannte und gesellige Frühstück nach der Wache, mit dem zufriedenen Wissen, dass die Hälfte der Arbeit für den Tag bereits erledigt ist. Die meisten folgen danach dem lauten Ruf der Koje und so kommt es, dass von der Wache 2 am Vormittag nicht viel zu sehen ist.

Nach dem Mittagessen frischt der Wind dann langsam auf, und als wir die Wache am Nachmittag wieder übernehmen, steht direkt eine Halse an. Also Briggsegel und Außenklüver bergen, Großstengestagsegel runter und Fock aufgeien. Großtopp lebend brassen bis 2 Strich an Steuerbord, Vortopp rund und wieder zurück an den Großtopp. Mit vielen friends aus den Wachen 1 und 3 ist die Halse schnell gefahren und die restliche Zeit verbringen wir mit Feinbrassen, Segeltrimm, Klar Deck und dem Beifangen des Briggsegels.

Durch den stärkeren Wind hat sich inzwischen eine ordentliche Ostseewelle aufgebaut, die auch einige Fälle von Seekrankheit fordert. Dadurch kommen wir nur langsam voran und als um 19:30 Uhr der letzte Zeiser am Briggsegel endlich fest ist, bleibt uns noch eine halbe Stunde Zeit, um den Sonnenuntergang und die frische Brise im Gesicht zu genießen. Der westliche Himmel schimmert rosa-golden, die Sonne wirft ihre letzten Strahlen in unsere Richtung und die Wellenkämme leuchten durchsichtig, bevor sie in hunderte goldene Tropfen zerbrechen.

Alicia grüßt nach Hamburg und nach Rostock.

Viele Grüße nach Frankfurt und alles Gute zur silbernen Hochzeit!

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