Tagesmeldung vom 28.07.2026

Törn 0926 | Hanseroute Hafflängs 2026/II
Kleipeda
Position 55°42,3′ N|021°07,3′ E
Kurs, Speed 000 | 0,0kn
Etmal 0nm
Wind W – 5-6bft
Luftdruck 1014 hpa
Bedeckung 4/8
Temp (L/W) 19°C, 18°C
Klaipeda – zwischen Dange, Fastkatastrophen und Kurischer Nehrung
Wer heute Morgen mit frischen wachen Äuglein in die Messe kam, hatte entweder Ohropax in Industriequalität – oder schlief schlicht auf der richtigen Schiffsseite. Für alle übrigen war die Nacht ein akustisches Gesamtkunstwerk, das irgendwo zwischen „Mittelalterliches Burgtor“ und „Holzbein auf Parkett“ rangierte.
Denn: Wir liegen weiterhin im Hafen von Klaipeda, direkt an der Mündung der Dange, wo ununterbrochen Yachten, Ausflugsboote und allerlei weitere Wasserfahrzeuge vorbeiziehen.
Steuerbord begrüßt uns ein malerischer Wald aus blauen und roten Bau- und Lastkränen, dazwischen gelbe Bagger, die das Hafenbecken wahlweise ausheben oder wieder zuschütten, je nach Tagesform. Backbord hingegen: Das Kreuzfahrtterminal mit seinen festmontieren Gummifendern, die eigentlich unser Schanzkleid schützen sollen. Eigentlich. Was sie auch tun. Doch in Kombination mit 50 Km/h Wind, einem Wellenbild, das man höflich als „lebhaft“ bezeichnen könnte, entstand seit gestern zusätzlich ein Geräusch, bei dem auf Backbord heute Nacht kein Auge zublieb: „ Knooooaaartsch…..Knoooooaaarrttttschh….Knoooaaaartsch!“.
Der Vorschlag Spüli auf die Fender zu kippen, existierte solange – bis jemand daran erinnerte, dass die litauische Hafenbehörde vermutlich wenig Humor besitzt, wenn plötzlich Schaumberge die Dange hinunterziehen, beziehungsweise Umweltschützer auf die Barrikaden gehen.
Doch dann kam die ultimative Lösung:
1. Held des Tages – Geppo!
Mit der Ruhe eines Menschen, der schon ganz andere Fender erlebt hat, installierte er einen Schamfilschutz auf die hafeneigenen Gummifender. Und siehe da: Das Burgtor verstummte. Die Crew verneigt sich. Klaipeda verneigt sich. Die Ostsee verneigt sich. Dankeschön Geppo!
Jetzt zur Fast-Katastrophe des Tages: Die Kaffeemaschine. Während die Rotäugigen noch versuchten, ihre Gesichtsmuskeln wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen, ereignete sich beinahe der ultimative GAU: Die Kaffeemaschine pumpte kein Wasser mehr, der notwendige Brühvorgang konnte nicht durchgeführt werden. Die Backschaft meldete: „Land unter!“, einige Crewmitglieder begannen bereits, ihre Notfall-Koffeinrationen zu bunkern und einige Mutige überlegten, ob man Kaffee auch kauen könnte. Doch dann kam:
2. Held des Tages – Andreas!
Am Rande der Verzweiflung wagte sich Anne in die Höhle des Wolfes, weckte ihn zu unchristlicher Zeit und trotz morgendlichen Grummelns reparierte dieser das lebensnotwendige Gerät in Rekordzeit. Sekunden später floss das schwarze Gold wieder – Andreas sei Dank!
Was vormittags noch so geschah:
• Direkt neben uns kutschierte die Fähre „Nida“ seit 7 Uhr im 30 Minuten-Takt Menschen, Fahrräder und gelegentlich verwirrte Möwen auf die gegenüberliegende Halbinsel
• Der Wind pfiff uns weiterhin um die Ohren und durch die Masten, als wolle er uns daran erinnern, dass Segeln heute keine Option ist
• Nach dem Reinschiff wurde die Stahlseile mit Labsahl konserviert, Blöcke wurden abgeschliffen und lackiert, Flaggen abgehängt, Webeleinen kunstfertig angebracht und die Segelecken mit Lederfett gepflegt.
Mittags zauberte Anna und die Backschaft einen phantastischen Nudelauflauf, bei dem Jeder Nachschlag verlangte und bei dem besonders die knusprige Käsekruste gelobt wurde. Nachmittags bekamen alle freien Landgang, um sich zum Beispiel die „Kurische Nehrung“ anzuschauen. Dies wurde zahlreich angenommen und alle Teilnehmer berichteten über tolle Eindrücke, die heute von der wunderschönen Landschaft gesammelt wurden.
Fazit des Tages:
„Fendere korrekt, damit er Dich nicht weckt!“
Wir liegen fest, wir liegen sicher, wir liegen laut – aber wir liegen gemeinsam.
Und genau das macht die Brigg Roald Amundsen aus:
Egal ob Flaute, Fender oder fiese Geräusche – irgendjemand hat immer eine Idee, ein Werkzeug oder einen Kaffee.
Viele Grüße aus Klaipeda, jetzt wieder fast ausgeschlafen und koffeiniert.
Dienstag, der 28.07.2026
Regina Eek
Grüße und Persönliches:
Seinem Minnesänger
die besten Geburtstagswünsche
wünscht, windzerzaust,
Wildvögelein