Tagesmeldung vom 10.01.2026

Törn 0905 | Die See kennt keinen Feiertag
auf dem Weg nach Bocas del Toro
Position 09°31,1′ N|081°52,0′ W
Kurs, Speed 260 | 4,0kn
Etmal 97nm
Wind W – 5bft
Luftdruck 1015 hpa
Bedeckung 8/8
Temp (L/W) 25°C, 27°C
Schwimmen im Rigg
Autor: Julian
Irgendjemand von uns Schülern hatte sich gewünscht, dass alle Wachen einmal mit beiden Teilwachen gleichzeitig fahren. Und so kam es, dass wir heute beim Wachwechsel als gesamte Wache angetreten sind. Das war auch gut so, denn es gab direkt viel zu tun.
Da wir heute ankern, mussten alle Segel aufgegeit und gepackt werden. Einen Großteil der Segel hatte Wache 2 bereits aufgegeit, weshalb es für uns nur noch wenig zu tun gab.
Das Aufgeien ist der Vorgang, bei dem ein gesetztes Segel zur Rah – also zu den Querbalken, die am Mast befestigt sind – hochgezogen wird. Dazu gibt es mehrere Tampen (= Seile). An einem Segel sind meist zwei Geitaue, zwei Schoten und vier bis sechs Gordinge befestigt, um das Segel zu setzen oder zu bergen. An den sogenannten Schothörnern, also den beiden unteren Ecken, sind sowohl die Geitaue, mit denen man das Schothorn zur Rah ziehen kann, als auch deren Gegenspieler, die Schoten, befestigt. Die Gordinge sind am Unterliek des Segels angebracht und sorgen dafür, dass das Segel gleichmäßig zur Rah kommt, damit man es beispielsweise packen kann.
Als alle Segel aufgegeit waren, stand das Packen auf der Programmliste. Also ging es mit guter Laune, Sonnenbrille und T-Shirt in den Top, um die Segel schön hafenfein, wie angeordnet, zu packen. So arbeiteten wir uns von der Obermars nach unten vor.
Das Packen funktioniert so, dass man zunächst die Schothörner mit dem sogenannten Nockzeiser an der Rah befestigt und alle an der Rah angebrachten Zeiser loswirft. Anschließend holt man Seiten- und Unterliek zur Rah und legt sich mit dem Bauch darauf, um beide Hände frei zum Arbeiten zu haben. Da das Unterliek bei den meisten Segeln länger ist als das Oberliek, muss man in der Mitte eine sogenannte Z-Falte bilden. Ist dieser Schritt erledigt, beginnt man, das Segel zu falten, indem man jeweils eine Armlänge nimmt, die gegriffene Falte zur Rah hochzieht und unter die „dritte Hand“, also den Bauch, legt. Wiederholt man diesen Vorgang mehrere Male, gelangt man zur letzten Falte, der sogenannten Tasche. Diese zieht man zur Rah und stopft alle unter dem Bauch liegenden Falten und Lieke hinein.
Anschließend folgt das berüchtigte „shake it, beat it“. Dabei greift man die Tasche mit der linken Hand und schüttelt sie. Bei den Worten beat it schlägt man mit der rechten Hand auf das Segel, um es gleichmäßig in der Tasche zu verteilen. Hat man diesen Vorgang einige Male wiederholt, zieht man das Segel mit einem Ruck auf die Rah, sodass sich die Tasche schließt und sich kein Regenwasser im Segel sammelt. Der letzte Schritt besteht darin, die zuvor losgeworfenen Zeiser wieder zweimal um das Segel zu wickeln und abschließend einen Webeleinstek oder Mastwurf am Jackstag zu machen.
Doch jetzt fragt ihr euch bestimmt, was es mit der Überschrift auf sich hat. Auf dem Weg ins Rigg fiel der einen oder anderen Person auf, dass eine gewaltige Regenfront auf unser Schiff zuzog. Mit den Worten „Das zieht doch eh an uns vorbei …“ begannen wir unsere oben beschriebene Arbeit. Das ging auch so lange gut, bis der erste Regentropfen der vermeintlich vorbeiziehenden Wolke einschlug. Während der Regen immer stärker wurde und an Deck der Verschlusszustand – also das Schließen aller Türen und Fenster – hergestellt wurde, standen wir wohlgemerkt noch im T-Shirt und mit Sonnenbrille im Top und packten Segel.
Nach einer gefühlten Ewigkeit und inzwischen so durchnässten Klamotten, dass man den Regen nicht einmal mehr spürte, ging es wieder an Deck. Dort arbeitete bereits die eine oder andere Person aus unserer Wache in Badeklamotten und Gurt weiter. Nach einer kurzen Trocken- und Umziehpause unter Deck ging es erneut los – diesmal jedoch in Ölzeug oder Badeklamotten – mit den berüchtigten Worten:
„ICH GEH JETZT SCHWIMMEN IM RIGG!“
in den Top, um die verbliebenen Segel zu packen.
Nach dem Wachwechsel, bei dem es natürlich aufgehört hatte zu regnen, gab es ein sehr leckeres, aber vor allem warmes Mittagessen.
Der restliche Tag bestand nur noch aus Briefe schreiben und natürlich dem Ankern, wonach die meisten von uns müde ins Bett fielen.
Grüße:
Alles Gute zum Geburtstag für Hertrud
Toppsi Lotti:
Moin daheim oder wo auch immer. Viel Spaß beim Langlaufen. Ein kleines bisschen neidisch bin ich ja schon. Liebe Grüße aus Panama. Morgen in einer Woche bin ich wieder da. Juhu!!🙌 Darf ich Essenswünsche abgeben?
JB: Liebe Familie, Freunde und Seefahrer. Das Abenteuer dauert nur noch wenige Tage. Kaum zu glauben wie die Zeit fliegt. In wenigen Stunden erreichen wir den vorletzten Hafen, indem wir die Kids absetzen werden. Es geht mir gut. Heute war der erste Tag auf der ganzen Reise für mich, ab dem wir viel Regen und Wind hat. Bei all der Hitze, die wir nicht vergangenen Tagen hatten eine willkommene Abwechslung. Ich freue mich dann in den nächsten Tagen auf ein bisschen mehr Ruhe am Anker vor Bocas del Toro. Liebe Grüße in die Ferne an alle meine Lieben 🫶💫🍀🌊💦🎆
Hermann:
Schöne Grüße aus Bocas del Toro (I) – Reisezenit. Wir freuen uns aufs Bergfest!
Milena:
Eyy ich hoffe euch geht es gut, mir geht’s gut, ich vermisse euch alle ganz doll ❤️