Tagesmeldung vom 08.01.2026

Törn 0905 | Die See kennt keinen Feiertag
Cayos Hollandes – San Blas / Guna Yala – Aufbruch nach Panama
Position 09°35,0′ N|078°40,9′ W
Kurs, Speed 306 | 0,0kn
Etmal 0nm
Wind NNE – 5bft
Luftdruck 1014 hpa
Bedeckung 1/8
Temp (L/W) 29°C, 28°C
Titel: Anai nuedi 🫶
Autorin: Deli
Oh wie schön ist Panama!
„Stell dir vor, du liegst in einer Hängematte, die zwischen zwei Palmen gespannt ist. Oben in den Baumkronen hängen Kokosnüsse. Der Wind weht dir eine leichte Brise ins Gesicht, während du sanft hin- und hergewogen wirst. Das Wasser plätschert vor sich her. Ein Vogel singt seinen morgendlichen Weckruf. Am Himmel zeichnen sich die ersten Sonnenstrahlen ab.
Du steigst aus der Hängematte aus, spürst mit deinen Füßen den feinen Sand und läufst in Richtung einer umgekippten Palme, die halb im Wasser hängt. Du balancierst über die Palme, setzt dich und lässt deine Füße im warmen Wasser baumeln.
Unter dir ziehen kleine Fischschwärme die Runden, während über dem Meer hinter den sich im Riff brechenden Wellen die Sonne langsam aufgeht. Du lässt dich und deine Seele baumeln und spürst vollendete Freiheit.“
Wenn ich in meiner Heimatschule unterrichte, starten so normalerweise die typischen Fantasiereisen, die man sich vorher kreativ zusammenreimen muss. Heute muss ich mir allerdings rein gar nichts zusammenreimen, denn wir haben das Paradies entdeckt!
Die Traditionen der Kunas
Die San Blas Inseln, bei denen wir aktuell vor Anker liegen, gehören dem Volk der Kuna. Die Kuna sind eine kleiner indigener Stamm kurz vor der Küste Panamas. Das Volk ist bekannt für ihren Fischfang in Einbäumen sowie ihren Molas (Tücher mit Motivbildern).
Mittlerweile leben viele der Einheimischen auf dem Festland, um dort zu arbeiten oder zu studieren.
Die auf den den Inseln Verbliebenen versuchen allerdings weiterhin an ihren Traditionen festzuhalten und sich gleichzeitig an den stetig wachsenden Tourismus anzupassen.
Einer von ihnen ist Ibin auf den Islas Maquis. Dort lebt er mit seiner Familie, bestehend aus Geschwistern, Neffen und Nichten. Ibin hatte uns für die letzten 24 Stunden Obhut auf seiner Insel geboten.
Innerhalb der letzten drei Jahre hat er sich dort ein kleines Restaurant auf Holzstegen errichtet – wohlgemerkt wurden hierfür nur Naturmaterialien genutzt, die die Insel ihm geboten hat. Hier gibt es morgens frisch gebackenes Kokosbrot (natürlich aus den Kokosnüssen von der Insel) und Fisch aus dem lokalen Fang. Kokosnüsse und Fische sind im allgemeinen wichtige Nahrungsmittel und Währungen hier vor Ort.
An den Wänden seines Restaurants hat Ibin selbstgemalte Wandgemälde aufgehangen. Die Bilder erzählen die Glaubensgeschichten der Kunas. Ibin sagt, dass all die Geschichten von Generation zu Generation hin immer vom Ältesten mündlich tradiert werden. Kurzum glauben die Kuna, dass alle Menschen, egal welcher Ethnie und Hautfarbe dieselben Geschöpfe sind und dass in jedem Mensch der gleiche Teil vom Gesamten innewohnt. „Ein Kuna ist genauso ein Deutscher, wie ein Deutscher ein Kuna ist“, so Ibin. Darüber hinaus haben wir allesamt die Qualitäten der Welt in uns: das Meer, die Sonne, der Mond, der Wind und noch vieles mehr.
Ibin lebt nach der Mentalität, immer guter Dinge zu sein. Alles, was passiert, ist gut so wie es passiert und sei höherer Wille.
Wenn Ibin mit seiner Familie spricht, dann in seiner eigenen Landessprache, Dulegaya. Spricht er mit uns, dann in fließendem Englisch und Spanisch. Man merkt, dass trotz der vielen Traditionen ein gewisser westlicher Standard besteht: Kaltgetränke, wie Cola, sind wichtige Einnahmequellen. Diese werden wöchentlich vom Festland geholt. Denn jüngst leben die Kunas auch vom Tourismus, begrüßen täglich Reisende aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt.
Anai nuedi, Ibin! (Danke mein Freund, Ibin)
Gemischte Gefühle
All das löst gemischte Gefühle aus.
Ich bin dankbar: dankbar hier angekommen zu sein, Zeit im Paradies verbringen zu dürfen und Einblicke in eine indigene Kultur zu erhalten.
Aber vor allem verspüre ich Demut: Demut vor der Natur, Demut vor der Unberührtheit und Demut vor der kulturellen Vielfalt unserer Welt.
Wunden lecken
Die Schülis jedenfalls sind nach den letzten 24h endlich ausgelastet. Es wurde ordentlich geschwommen, gerannt und gerauft, Volleyball und Spikeball gespielt, geschnorchelt, ums Feuer getanzt und draußen geschlafen. Jetzt haben wir einen Haufen glücklicher Kinder und eine Projektleitung mit Sonnenbrand – ja, sie waren tatsächlich allesamt mehrfach eingecremt!
Zurück auf der Roald hat sich unser Arzt Rüdiger um all unsere kleinen Wunden gekümmert. Denn Abenteuer erleben kostet auch seinen Preis. Danke Rüdiger für deine Unterstützung in jeglichen Situationen.
Mittlerweile sind die Segel wieder gesetzt und wir brechen auf in Richtung Festland. Bocas del Toro, wir kommen! 🇵🇦
Grüße:
Lotti: Happy Birthday Mami! 🥳 Ich wünsch dir alles gute, ich hoffe du hast ein wunderschönen Tag und ein tolles neues Lebensjahr, das dir lange in Erinnerung bleiben wird! Ich denke ganz dolle an dich! Matzi 💕
Olivia: Alles, alles Gute zum Geburtstag Mami!! Ich hoffe du hattest einen ganz tollen Tag und konntest ihn genießen. Ich denke ganz viel an euch alle und habe euch ganz doll lieb!❤️
Fenia: Happy Thursday Mami! Ich hoffe du hast einen wunderbaren Donnerstag gehabt. Pass auf, es soll glatt werden, nicht ausrutschen bitte. Ich hab dich auch lieb <3