Tagesmeldung vom 15.10.2026

Tagesmeldung vom 15.10.2026

Törn 0939 | Start in den Süden
Elbe und Inseln

 

Position 53°32,3′ N|006°02,5′ E
Kurs, Speed 264 | 5,6kn
Etmal 134nm
Wind NNW – 5bft
Luftdruck 1020 hpa
Bedeckung 7/8
Temp (L/W) 17°C, 13°C

Guten Morgen!

Der heutige Tag startete früh. Wir sind das erste Mal auf diesem Törn eine Nacht durchgefahren. Nachdem wir um Mitternacht gemeinsam mit Wache 1 die Rahen an beiden Masten von der Backbordseite auf die Steuerbordseite gedreht – also gebrasst – haben, sind wir nach dieser sportlichen Leistung ins Bett gefallen. Zumindest die, die nicht direkt an den Tischen in der Messe eingeschlafen sind. Und während wir im Traumland vor uns hinschlummerten, wurde der Brotteig vorbereitet, ebenso wie die Brötchen, auch wenn die am nächsten Morgen leider nicht so viele enthusiastische Abnehmer beglücken konnten.

Außerdem wurden in der Nacht noch einige hin und her rollende Gegenstände in den Kammern festgebunden, damit sie nicht kaputt gehen und den Schlaf stören. Ebenfalls Premiere in dieser Nacht: die ersten Segel wurden gesetzt! Im Dunkeln konnte man sie noch nicht so wirklich bewundern, aber als wir am nächsten Morgen an Deck kamen, waren wir begeistert!

So viel zur Nacht. Tagsüber haben wir eigentlich nichts gemacht. Wir sind geradeaus gefahren, haben die Steuerung auf offener See geübt (da hat man schließlich soooo viel mehr Möglichkeiten, in verschiedene Richtungen zu fahren, ganz im Gegensatz zum Nord-Ostsee-Kanal!), der Ausguck bekam die ein oder andere kostenlose Salzwasserdusche und die Handschuhe haben gute Arbeit geleistet. Es ist nämlich ab und zu doch etwas frisch und windig hier! Könnte aber auch schlimmer sein, immerhin strahlte die Sonne. Das war schön.

Mittagessen. Da waren mehr Leute wach und auch mehr Leute am Essen. Es gab Fisch mit Bratkartoffeln – der Bräter musste auf jeden Fall ordentlich gesäubert werden danach… Sehr lecker! Die Kartoffeln waren sogar ohne Zwiebeln. Freute manche, andere eher nicht so.

Nach ein bisschen Tampenjagd und Mittagsruhe fiel zuerst die Entscheidung und dann der Anker. Jetzt liegen wir hier vor irgendeiner Küste und auf der anderen Seite ist eine niederländische Insel. Damit haben wir die deutschen Gewässer verlassen und die Roald wird sie erst im nächsten Frühjahr wieder befahren…

Wir hoffen auf eine ruhige Nacht, die Ankerwachen sind eingeteilt und morgen geht es dann hoffentlich unter Segeln mit nördlichen Winden Richtung Süden.

Nina und Daphne grüßen ihre Geschwister.
Und Grüße nach Norwegen: ist kalt hier, aber ich friere nicht so sehr wie im August. Und Lina: freu mich, von dir zu hören! Bin gespannt, was bei dir passiert ist, ich habe auf jeden Fall zu erzählen.

Laura grüßt nach Kiel und Rendsburg!

So. Nachtrag zu gestern: Die Geschichte mit dem Sofortgeld-Bingo

Wir sind ein Traditionsschiff, das ist ja klar. Und hier gibt es auch ganz viel Tradition! Wenn man Sachen anders macht als gewohnt oder sogar altgediente Dinge ersetzt, wird das Neue erstmal skeptisch beäugt. So zum Beispiel die neuen Müsliboxen, die die alten Keks-Müslidosen ersetzen (sollen). Oder eben auch die neuen Gewürzdosen! Wir haben eine Gewürzdosen-Lieferung in Brunsbüttel an uns genommen, die wurden dann gestern ausgepackt. Natürlich war jede Dose in einem eigenen kleinen Karton und natürlich waren die einzeln zugeklebt und natürlich hatten wir kein Messer da (und waren zu faul, aufzustehen und eins zu holen…). Eigentlich ist das auch ziemlich irrelevant, denn es geht um das Sofortgeld-Bingo. Im großen Karton lag nämlich eine Werbebroschüre bei, wenn man die Zahlen frei rubbelt und ein Bingo hat, kann man Geld gewinnen und wenn ein Sternchen in der Reihe ist, verdreifacht sich der Gewinn sogar! Wir saßen also da und haben Zahlen frei gekratzt. Diese Aufregung! Das kann man sich nicht vorstellen! So viel Adrenalin! Und dann… Die letzte Zahl… BINGO! (Entgegen der Anweisung auf dem Zettel haben wir das aber nicht laut gerufen, sondern eher laut gelacht.) 43.000€ mit Sternchen! Also 129.000€. Wir konnten es nicht glauben. Wo ist der Haken? Naja… Im Kleingedruckten. Anrufen wäre nicht das Problem, aber leider wird das danach noch ausgelost, ob man überhaupt was gewinnt… Vermutlich hat also (fast) jeder Zettel ein Bingo. Haben wir uns wohl ein bisschen zu sehr gefreut. Wir haben dann doch nicht angerufen und der Zettel ist in die Papiertonne gewandert. Sehr schade.

Zweiter Nachtrag zu gestern: Die Sache mit dem wendenden Auto

Wenn man zur Schule geht und die Ferien auf der Roald verbringt, muss man ab und zu mal einen Blick ins Schulzeug werfen. Damit kann man viele Leute beschäftigen, wenn man mathematische Probleme lösen muss.
Falls ihr miträtseln wollt: Es gibt ein Auto. Das Auto soll gewendet werden, sodass es am Ende wieder auf der gleichen Stelle steht, aber in die andere Richtung schaut. Es kann keine Ecken fahren. Die Kurven werden möglichst eng gefahren und haben immer den gleichen Radius r.
Aufgabe a): Wenn das Auto auch rückwärtsfahren darf, wie kurz ist die kürzeste Strecke, um zu wenden? Und wie sieht das gefahrene Muster aus?
Aufgabe b): Oh nein! Wir können nicht mehr in den Rückwärtsgang umsteuern (Maschine zurück funktioniert nicht mehr…) Das Auto muss dennoch gewendet werden. Mit welchem Muster schafft man es, dass die gefahrene Strecke kleiner als 8r ist?
Die Problemlösung beschäftigt manche von uns immer noch. Und es wurden unter anderem kurz vor dem Allhands noch mögliche Fahrkreise an Deck gemalt und ausdiskutiert, aber inzwischen sind wir uns eigentlich sicher, dass es richtig ist. Eigentlich. Viel Spaß beim Knobeln!

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