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01.05.16 :: english website :: druckfreundliches Layout
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Aktuelle Tagesmeldungen von der Roald

Alle aufgezeichneten Törns verfügen mindestens über eine Karte mit der gesamten Wegstrecke des Törn. In der Regel gibt es dazu - gerade wenn es im gleichen Seegebiet viele Positionen gibt - Detailkarten.

 

Bitte beachten Sie, daß sich die Detailkarten von Tag zu Tag unterscheiden können.

Die jeweils passende Detailkarte gibt es immer in der Titelzeile des jeweiligen Tagesberichtes unter Detailplot.

Der Link GE-Overlay ist ein Google-Earth-Overlay zum Download. Was man damit anfangen kann

 

Die gesammelten Plotts der aufgezeichneten Törns finden sich hier.

 

Zur Zeit werden auf dieser Seite die letzten 5 Tagesmeldungen angezeigt.

 

HINWEIS: Im Moment funktioniert die Generierung der Trackdaten nicht. Deshalb führen die beiden Links ins leere. Wir arbeiten daran.

 

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29.04.2016   Ort:   Angelegt in Oostende, Belgien     Kursplot     GE-OverlayTörn 0537
Position  51°13,5 N
002°56,0 E
 Etmal
Kurs
Speed

 WindNW
5 bft
Druck1007 hpa Welle
Dünung

Bedeckung7/8 Temperatur
Wassertemp.
12 °C
10 °C
Segel-Std  Masch-Std
 
Kurzkommentar

Gesetzte Segel

Var.  Segel hat den Wert 000000000000000000, scheinbar gibt es dieses Segelschema bisher noch nicht in der Datenbank. Eventuell ist die Kombination schwachsinnig.

 
TagesberichtDatum: 29.04.2016
Wetter: Kalt? Ich friere nicht...
Name: Jakob Helfmeier

Die Zeit zurück drehen?

HSHS-Schüler: sentimental, melancholisch, dauernd halb verpennt, mal auf Wache, mal in der Messe gammelnd, mal schlafend, häufig essend anzutreffen.
Abrissbirne der deutschen Tagesmeldungsszene: völlig verpennt, läuft trotzdem auf voller Leistung, löst globalpolitische Probleme, Hauptnahrungsmittel Schwarztee und Müsli, haut eine Tagesmeldung nach der anderen raus, die dann so provokativ und revolutionär ist, dass sie wie eine Bombe vorsichtig von Verantwortungsträger zu Verantwortungsträger rumgereicht wird. Die Abrissbirne arbeitet wie drei Ochsen und hat trotzdem noch Kapazitäten über, die sie dem Schreiben einer Tagesmeldung zukommen lässt. Die Abrissbirne läuft mit Koffein und Zucker. Die Abrissbirne ist immer kalt, aber sie friert nicht, denn sie ist harter Stahl. Die Abrissbirne zerstört mickrige Gerüste lächerlicher Vorschriften und macht Konvention dem Erdboden gleich. Die Abrissbirne macht was sie will. Die Abrissbirne ist eben genau das: eine Abrissbirne.
Wer sich jetzt noch einen dieser Rückblicke auf die Reise erwartet, in dem mal wieder erwähnt wird, wie sehr wir uns doch entwickelt haben und was für reife, erwachsene junge Menschen wir doch geworden sind, kann morgen wiederkommen. Dann haben wir bestimmt wieder eine auf Lager. Heute aber mache ich darauf aufmerksam, dass es zwar durchaus Leute gibt, die sich entwickelt haben, aber man bei so einigen auch einfach keine Veränderung merkt, und sich manche sogar nach meinem Eindruck zurückgebildet haben. Man kann also bei solchen Themen keineswegs von "der HSHS-Gruppe" sprechen, sondern muss zwischen einigen Gruppen differenzieren. Schauen Sie doch einfach mal, wenn wir in Kiel einlaufen, achten Sie auf Kleinigkeiten, und mit etwas Glück wird Ihnen Erstaunliches klar.
Zum Tagesablauf: vormittags Backschaft gehabt, total entspannt, da wir zum Mittag nur Tomatensuppe gekocht haben (im Gegenzug gab es dann abends Braten mit Kartoffelgratin). Von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr in Oostende unterwegs gewesen, dann zum Kaffee und Kuchen zurückgekommen. Währenddessen durfte der Rest der Belegschaft das Schiff erhalten. Nach dem Kaffee war die Arbeit schon so weit vorangeschritten, dass der Rest des Tages für Landgang freigegeben wurde. Abends gab es dann also den eben erwähnten Schmaus und weiteren Landgang.
--
Kommentar des Kapitäns beim Lesen dieser Tagesmeldung: "Seltsam, dass gerade Jakob von sich behauptet, "wie drei Ochsen" gearbeitet zu haben. Da würden mir auf die Schnelle einige einfallen, die auf diesem Törn mehr geleistet haben.

Grüße:
Mike gruesst Karin, Cora & El Greco
Herzlichen Glueckwunsch zum Geburtstag, Ricardo!
 
 
28.04.2016   Ort:   Angelegt in Oostende, Belgien     Kursplot     GE-OverlayTörn 0537
Position  51°13,5 N
002°56,0 E
 Etmal63 nm
Kurs
Speed

2,84 kn
 WindNW
3 bft
Druck1007 hpa Welle
Dünung

Bedeckung7/8 Temperatur
Wassertemp.
9 °C
10 °C
Segel-Std8 h  Masch-Std16 h
 
Kurzkommentar

Gesetzte Segel

Var.  Segel hat den Wert 000000000000000000, scheinbar gibt es dieses Segelschema bisher noch nicht in der Datenbank. Eventuell ist die Kombination schwachsinnig.

 
TagesberichtDatum: 28.04.2016
Wetter: Regen, Sonne, Sonne
Name: Ole Feldtmann
Tag 206 bei HSHS, der 28.04, Oostende
Mein heutiger Tag begann damit, dass ich von Ana um 0330 zur Wache geweckt wurde. Wenige Minuten später saßen schon einige in der Messe und uns wurde erzählt, dass es eine Überraschung von Susi gäbe: Während ihrer 0-4 Wache hatte man Schokoladenkuchen gebacken, von dem wir nun die andere Hälfte aufessen durften. @Susi: Der Kuchen war mega lecker :).
Dann durften wir ein seltenes Lichterschauspiel beobachten: Wir fuhren durch eine Reede, wo um die 30 Schiffe vor Anker lagen. Immer mal wieder wurden wir von anderen Schiffen überholt, die uns durch die Enge ziemlich nahekamen und am Horizont blitzte ein Gewitter immer wieder auf.
Bei Sonnenaufgang wurde angefangen, die Segel hafenfein zu packen, doch leider machte uns das Wetter zwei Segel später einen Strich durch die Rechnung: Das Gewitter schien uns eingeholt zu haben. Als unsere Wache dann schließlich abgelöst wurde, brachten wir Judith noch ein Ständchen, da sie heute Geburtstag hatte. In der Messe stärkten wir uns sogleich mit Pfannkuchen und warteten das kommende All Hands zum Anlegen ab.
Die 8-12 Wache hatte bereits alle Leinen bereit gelegt und als wir dann durch die Hafeneinfahrt fuhren, stand die komplette Mannschaft an ihren Stationen. Als wir in die Schleuse einfuhren, sahen wir Patrick wieder. Er sorgte für viel Lächeln und fröhliches Winken und begrüßte uns kurz. Später, am Anleger, fingen wir in zwei Gruppen mit Großreinschiff und Segelpacken an. Unter Daniel E. wurde das Großreinschiff unter Deck gemacht, während einige wenige mit mir im Regen an Deck blieben, um die Segel zu packen, das Deck zu klarieren und feinzubrassen. Während Judith, Benji, Lisa und Sabine die Vorsegel ordentlich packten, fingen Bene, Jona, Tabea und Tobi am Vortopp mit der Bram an. Als gegen 12 Uhr alle Segel gepackt waren, genossen wir das Mittagessen.
Der Nachmittag ging ähnlich weiter wie der Vormittag. Nun stand das Feinbrassen auf dem Plan und das Großreinschiff ging unverändert weiter... Als wir um 15 Uhr fertig waren, wurde die Wäsche an Deck (an Wurfleinen) aufgehängt, um im Sonnenschein zu trocknen. An dieser Stelle nochmal Danke an Daniel für das Organisieren unter Deck :).

Zum Abschluss möchte ich die Reise noch ein wenig zusammenfassen:
Wir sind mit dem Wind in den Haaren und der Sonne im Gesicht über den Ozean gesegelt und haben gelernt, wie man als Gruppe funktioniert. Wir haben gelernt, wie wichtig Zusammenhalt sein kann, als bei schlechterem Wetter die Backschaft ersetzt werden musste. Wir haben mit eigenen Augen gesehen, wie stark das Leben der Menschen auf den San Blas Inseln von Stürmen abhängig sein kann. Wir haben hier ein zweites Zuhause gefunden und einige werden sicherlich auf die Roald zurückkehren. Leider haben wir auch gesehen, wie der Mensch sich und seine Umwelt nur des Profits wegen zerstört.
Wenn wir über unsere Heimat nachgedacht haben, so ist uns aufgefallen, wie schwer die Reise eigentlich zu beschreiben ist: Wir stehen selbstverständlich nachts auf, um vier Stunden Wache zu gehen, bei 10 Grad und strömendem Regen, gleichzeitig weht es mit Böen bis zu 50 kn, egal ob Tag oder Nacht. Wir klettern freiwillig bei solchem Wetter ins Rigg, um Segel zu bergen. Wenn man Pech hat, bahnt sich das Wasser am Ende einen Weg ins Innere und die Wache kann ewig werden. Gleichzeitig zaubert die Backschaft trotz aller Schaukelei ein gutes Essen auf den Tisch. Dann diese wunderschönen Momente auf der Royal, wenn man von dort den Sonnenaufgang beobachten kann... Oder bei leisem Plätschern im Ausguck die Sternschnuppen zählt. Saskia hat es schon einmal versucht zu beschreiben... Nicht der nächste Hafen ist das Ziel, sondern der Weg. Das sollte allen bewusst geworden sein. Oder wie Patrick die Situation beschrieben hat, wenn wir wiederkehren: Wir werden uns verändert haben, aber daheim ist nichts passiert...
Wie sollen wir diese Selbstverständlichkeit und diese Momente erklären? Man kann es nicht. Wir können die Reise so anschaulich wie möglich beschreiben, doch gleichzeitig ist diese Reise so tief in unserem Inneren, dass niemand es verstehen kann, wenn er es selbst nicht miterlebt hat. Wir sind an Bord so tief miteinander verwurzelt, dass wir das manchmal selbst nicht bemerken.
Aber dieses Gefühl zu beschreiben: Das ist unmöglich.
Ich wünsche meinem Vater alles Gute zum Geburtstag. Hab dich ganz doll lieb und hoffe, du hattest einen schönen Tag.
Liebe Grüße,
Ole
 
 
27.04.2016   Ort:   Vor der Küste Frankreichs, nördlich von Calais     Kursplot     GE-OverlayTörn 0537
Position  51°00,1 N
001°39,2 E
 Etmal76 nm
Kurs
Speed
50 Grad
3,17 kn
 WindNW
4-5 bft
Druck1004 hpa Welle
Dünung

Bedeckung2/8 Temperatur
Wassertemp.
9 °C
10 °C
Segel-Std20 h  Masch-Std4 h
 
Kurzkommentar

Gesetzte Segel

Var.  Segel hat den Wert 000000000000000000, scheinbar gibt es dieses Segelschema bisher noch nicht in der Datenbank. Eventuell ist die Kombination schwachsinnig.

 
TagesberichtDatum: 27.04.2016
Wetter: kalt!
Name: Melinda Behncke
Die Zeit zurück drehen?
Die Tage streichen davon und irgendwie habe ich das Gefühl, hinterherlaufen zu müssen und gleichzeitig die Zeit zu stoppen und dann wird mir immer wieder aufs Neue klar, dass diese Reise bald ihr Ende gefunden hat, die Zeit noch nie aufzuhalten war und plötzlich ist man total überfordert und fragt sich, ob man wirklich alles aus diesen 7 Monaten herausgeholt hat.
Neulich haben wir in unserer Lernphase eine Reflexionseinheit gehabt mit der Intention, eine Timeline von der ganzen High Seas Zeit zu erstellen. Wie viele Seiten brauche ich? Mhhh.. ich glaube drei! Falsch gedacht! Ich bin bei den Bermudas angelangt und habe bereits mit meiner sechsten Seite angefangen. Meine Timeline sieht aus wie ein einziges Chaos ohne jegliche Struktur und ohne roten Faden, aber ich habe gemerkt, dass es doch tausend kleine Erlebnisse gibt, die ich durchlebt habe, die ich schon wieder total vergessen habe, da sie am Anfang der Reise geschehen sind. Irgendwelche Witze, Abende, Weckeinheiten etc. Plötzlich kommt alles hoch und diese großen Landaufenthalte wie Costa Rica teilen sich in tausend kleine Dinge, die einen an diese tolle Zeit erinnern und in deiner Timeline steht nicht ganz groß "COSTA RICA-Landgang", sondern dass man auf der Expi aus der Hängematte gefallen ist.
Ihr müsst Euch vorstellen, dass diese letzen Tage auf der Roald ein totales Gefühlschaos erzeugen und man mit dem Erstellen dieser Timeline erst merkt, wie viel man eigentlich erlebt hat. Gleichzeitig aber denke ich an so kleine Momente zurück und werfe mir immer wieder vor, die Zeit nicht ausgiebig genutzt zu haben. Landgänge, die man ausfallen lassen hat, weil man zu müde war?! in Kuba?! "Nein, ich gehe nicht ins Wasser - mir ist zu kalt!" Auf den Bahamas?! Rumzusitzen und zuzuschauen während wir in einem afrikanischen Dorf in Kuba die Götter tanzen sehen, anstatt mitzutanzen?! Nicht ins Rigg zu gehen, weil einem das Wetter zu schlecht und schauklig war?! In der Karibik auf ein Schwimmabenteuer zu einer unbewohnten Insel zu verzichten, weil man Angst vor gefährlichen Tieren (in meinem Fall) gehabt hat?! Auf ein leckeres Essen in Mexico verzichten, weil es einem zu teuer war und tausend Dinge, die man nicht getan hat, weil man zu faul war!
Jetzt befinden wir uns mitten im kalten Europa auf See mit Nachtwachen um die 6 Grad und ich denke immer wieder darüber nach, dass ich höchstwahrscheinlich nie wieder nach Costa Rica oder Kuba kommen werde und somit diese kleinen Dingen einfach weg, spurlos verschwunden sind und einem einfach nur die Erinnerungen bleiben von den Tagen, die man wirklich gelebt hat und die Tage, die man nicht genutzt hat, mit der Zeit in den Erinnerungen verweilen werden und einfach nicht mehr da sind.
Melli
Ich grüße ganz herzlich Onkel Hubertus und Onkel Poppel! Zudem grüße ich meine kleine Schwester und möchte ihr den Tipp auf den Weg geben, wenn sie auch diese Reise wie ich antreten wird, jeden Tag zu nutzen und, auch wenn du kotzend über dem Schanzkleid hängst, an alle Momente zurück denkst, die für dich diese Reise geprägt haben! Mami und Papi, bald bin ich wieder da und ich kann es kaum erwarten euch in Kiel von der Roald aus zu sehen! Liebe Grüße auch an den kleinen Mucki!
 
 
26.04.2016   Ort:   Zwischen England und Frankreich, südlich von London     Kursplot     GE-OverlayTörn 0537
Position  50°11,9 N
000°26,2 W
 Etmal92 nm
Kurs
Speed
65 Grad
3,83 kn
 WindNNW
6 bft
Druck1001 hpa Welle
Dünung

Bedeckung4/8 Temperatur
Wassertemp.
8 °C
9 °C
Segel-Std24 h  Masch-Std
 
Kurzkommentar

Gesetzte Segel

Var.  Segel hat den Wert 000000000000000000, scheinbar gibt es dieses Segelschema bisher noch nicht in der Datenbank. Eventuell ist die Kombination schwachsinnig.

 
TagesberichtDatum: 26.04.16
Wetter: Es wird kälter... Im Moment wenig Wind, zum Zeitpunkt da unten viel Gegenwind
Name: Leonard Büscher

Günther

Viel zu lange schon schwebt er über das endlose Meer. Es war ein Fehler, das Festland zu verlassen, das weiß er. Doch Günther hat nicht vor, aufzugeben. Irgendwo in diesen endlosen Weiten muss es doch etwas geben, irgendetwas zum Festhalten, Richtung finden, Ausruhen. Eine Eisscholle zum Beispiel. Ein Stück Treibholz. Oder ein Containerschiff. Oder auch... etwas ähnliches.
Günther findet ein längliches, sehr hohes Schiff, mit vielen tollen Orten zum Festhalten. Er lässt sich auf das weiße Deckshaus nieder, krallt sich in die Haftoberfläche und lässt seinen Körper sacken. Die abgenutzten braunen Federn schmiegen sich an seinen amselgroßen Leib wie die Daunen seiner Mutter während der Brutzeit. Sein länglicher Löffelschnabel legt sich auf seine Brust, stößt sanft aufs Metall unter ihm und stützt seinen Kopf im friedlichen Schlummer.
Tag Eins: Erkundung
Etwas Neues für mich, dieses Schiff. Starker Seegang macht meine tapsigen Schritte unsicher und mein langer Schnabel das Manövrieren auf Deck auch nicht leichter. Der starke Wind setzt da noch eins drauf. Schnell finde ich die sicheren Ecken, der Hohlraum unter der Brücke ist bisher mein Lieblingsplatz. Auch hinter dem Deckshaus ist wenig Wind. Einen anderen Vorteil hat diese Stelle auch, nämlich den Abstand zu den leuchtend bunten Organismen, die kreuz und quer übers Schiff wuseln und mich manchmal verfolgen, gar nicht angenehm. Das größte Problem bisher: Kein Watt in Sicht, in das ich meinen Schnabel tauchen kann, genauso wie erschreckend wenig Süßwasser. Immerhin trauen sich die Möwen nicht hier hin, mit denen hatte ich schon genug Probleme auf dem Weg.
Tag Zwei: Futtersuche
Auf der Suche nach Watt habe ich einige Organismen verfolgt. Bei meiner stündlichen Runde ums Schiff sehe ich sie, wie sie riesige Apparaturen bedienen, dabei laute Befehle rufen und dann wieder einige Stunden über mir auf der Brücke herumsitzen. Etwas finde ich immer wieder komisch, sie werden plötzlich mehr, treffen sich in der Mitte, und ändern so ihre Farbe. Während die meisten oben neongelb, mitte rot und unten schwarz sind, sind manche ganz gelb oder auch orange. Egal welche Farbe, Hilfe kann ich von ihnen nicht erwarten, dazu habe ich viel zu viel Angst vor diesen Riesendingern. Nur einmal, als ich mich in einem dünnen Draht verheddert hatte, hat mich einer gerettet. Ich habe dann überlegt, sofort weiterzufliegen, doch von oben sieht das Meer gleich viel größer aus als vom Schiff aus...
Tag Drei: Dringende Futtersuche
Nicht viel Energie zum Nachdenken mehr, muss was finden, irgendwas zum essen. Wegfliegen ist unmöglich, ich kann nicht mal mehr gut laufen. Noch tapsiger als sonst suche ich jede Stunde trotzdem unermüdlich das Schiff ab, vielleicht findet sich ja noch was, irgendwo. Habe letzte Nacht vom ewigen Watt geträumt, dem mystischen Ziel meines Lebens, wo der Große Wattwurm dafür sorgt, dass das Wasser nie sein Werk zudeckt...
Tag Vier: Keine Futtersuche mehr
Sehr erschöpft. Bin gescheitert. Das Schiff kämpft sich immer noch durchs Meer, Land kann ich keines entdecken. Selbst wenn eins da wäre, könnte ich niemals hinfliegen... Es ist so entsetzlich kalt, ich habe Durst, hab vor 18 Stunden aufgehört, kleine Kleckse auf dem Deck zu hinterlassen und mich in die hinterste Ecke verkrochen. O großer Ovior, ich danke dir für mein herrliches Leben in den Lüften, ich danke dir, dass ich die bunten Organismen ein bisschen begleiten konnte. Ich danke dir, dass ich nicht so geendet habe wie so manch andere Vögel, die auf offenem Meer auf eine Horde Seemöwen treffen. Ich danke dir für einen traurigen, aber geborgenen Lebensabend. Gute Nacht.
So, das war das, was wir von Günther 182 mitbekommen haben. Dazu einige Erklärungen: Günther ist ein Vogel, der sich auf die Roald verliert. Der Name kommt (natürlich) von findigen HSHSlern, die miterlebten, wie sich viele Vögel kurz auf dem Deckshaus ausruhten, um sogleich weiterzufliegen. Es gibt Vögel, die auf offenem Meer leben, die Schiffe zum Ausruhen nutzen, aber auch so in der Luft gut zurechtkommen. Es gibt Vögel, die den weiten Weg in ihr Zuggebiet auch über offenes Meer zurücklegen. Es gibt Vögel, die, wie hier im Kanal, die nächste Küste schon sehen. Die meisten schaffen es. Manche, wie Günther, dank seines unhandlichen Schnabels "Keine Peilung" genannt, schaffen es dank widriger Windverhältnisse nicht, den Weg in ihre Heimat zu finden. Sie können nicht mal von uns versorgt werden, wir hätten nur Körner oder Brot. Durch Füttern einen Vogel zum Bleiben zu motivieren wäre auch nicht gut, er gehört nicht auf ein Schiff und würde mit seinen Klecksen noch ganz andere Probleme verursachen. Das einzige, was wir ihnen geben könnten, wäre eine Schüssel mit Frischwasser. Unsere bunten Plastikschüsseln sehen die Vögel allerdings nicht als potenzielle Wasserquelle, außerdem würden sie bei Seegang über Bord gehen. Somit ist unser Schiff eine friedliche letzte Ruhestätte für schwache, verirrte Vögel, die sonst einfach irgendwann im Meer landen und ertrinken würden. Von uns werden sie per Seebegräbnis dem marinen Ökosystem zurückgegeben, wie es auch normal passieren würde. Günther ist mit ein bisschen über 3 Tagen die längste Zeit von allen Günthern an Bord geblieben und hat unser Leben als letzte Tat ein bisschen fröhlicher, abwechslungsreicher und drolliger gemacht. R.I.P. Günther
Zur Abwechslung jetzt noch etwas Fröhliches: Wir hatten zum Kaffee und Kuchen zum einen Schlagsahne, etwas, worauf ich mich in der Karibik immer gefreut habe, und zum anderen einen Poetry Slam mit selbstgedichteten Kunstwerken von Silbendrechsler Benjamin, Baronin Stella von Jambus und meiner Wenigkeit. Lyrische Kostproben der wahren Künstler an Bord (nicht ich) werden hoffentlich in Kiel der Eltern- und Großelternschaft vorgetragen. Wie bei uns in der kleinen Messe werden sie auch vor großem Publikum ihre Wirkung gewiss nicht verfehlen und in uns die Erinnerungen der Reise wachrütteln, das besondere Etwas in jedem von uns aufrütteln und den emotionalen Moment am Ende der Reise mit "freshen" Witzen freirütteln.
Grüße:
Mein allerliebstes Schwesterlein, ich wünsche dir alles, alles Gute zum Geburtstag! Hab einen schönen Tag und einen guten Start ins neue Lebensjahr! Ich vermisse dich und freu mich auf ein baldiges wiedersehen und vergiss nicht "Aquamartini ist out, Petersiliensoda ist in!" Bis bald deine Karoline
Jona wünscht seinem Onkel Micha nachträglich alles Gute zum Geburtstag und hofft, dass es ihm gut geht.
LG an L. von A.
Melli wünscht Meggy alles Gute nachträglich zum Geburtstag! Hab dich lieb <3 Ganz ganz viele Grüße noch an meine Familie! Noch 11 Tage, dann habe ich euch wieder und ich wünsche Klari Oma und Opa Berci viel Spaß in Kiel. Eure Melli
Julian grüßt seinen Opa
Der Seelöwe grüßt Leipi, Delhi und.... ihr kennt´s ja alle. Naja, hab noch ein paar wenige Tage Schiffszeit und die wird auch oft vermaschiniert. Anders ist, dass die Roald sich nicht so lange wie möglich an der Küste langschiebt sondern möglichst mittig im Kanal fährt... kommt mir jedenfalls so vor. Bis bald am 4.5., dem letzten B&R Teil.
 
 
25.04.2016   Ort:   Zwischen England und Frankreich, südlich von Bournemouth     Kursplot     GE-OverlayTörn 0537
Position  49°53,7 N
001°53,9 W
 Etmal22 nm
Kurs
Speed
65 Grad
2,4 kn
 WindW
5 bft
Druck1007 hpa Welle
Dünung

Bedeckung6/8 Temperatur
Wassertemp.
11 °C
10 °C
Segel-Std6 h  Masch-Std3 h
 
Kurzkommentar

Gesetzte Segel

Var.  Segel hat den Wert 000000000000000000, scheinbar gibt es dieses Segelschema bisher noch nicht in der Datenbank. Eventuell ist die Kombination schwachsinnig.

 
TagesberichtDatum: 25.04.2016
Wetter: Astreines Segelwetter!
Name: Tabea Decker

Liegender Wachwechsel

Wir standen heute an Deck und innerhalb von einer Sekunde war es eine Stunde später. Die Zeit wurde mal wieder umgestellt und wir hatten ein All Hands, denn wir wollten heute mal etwas ausprobieren. Statt den Anker normal mit der Maschine zu holen durften wir ihn heute von Hand holen. NEIN, wir haben keine kaputte Maschine - wir machen das komplett freiwillig. Es war schon lange ein Wunsch von uns, das einmal ausprobieren zu dürfen, doch bisher hat es nie geklappt. So standen wir in zwei Zweierreihen und warteten darauf, dass wir an der Reihe waren. Immer zu viert drehte man mit vollem Einsatz an den Kurbeln, doch nach ein paar wenigen Umdrehungen wurde es zu anstrengend und man musste auch schon wieder durchtauschen. Langsam kam der Anker immer höher. Es wurde weiter und weiter gekurbelt und schließlich war es geschafft. Wir konnten losfahren und den Wachbetrieb wieder aufnehmen.
Unsere Geschwindigkeit hängt momentan stark von den Gezeiten ab. Während wir Ebbe und Flut sonst nur im Hafen bemerkt haben, sind sie momentan der Grund dafür, warum wir mal mit 0,3 Knoten "Fahrt" im Prinzip auf der Stelle stehen und mal mit 8,6 Knoten über die Wellen fliegen. Der Wind hat uns zum Glück noch nicht im Stich gelassen und kommt noch aus der richtigen Richtung und wir konnten nach nur einer halben Stunde unter Motor auf Segelschiff umschalten.
In der Wache kommen ja so einige Gespräche zustande. Seit ein paar Wachen geht es um Häuser. Aus den anfänglichen Erzählungen, wie man zu Hause lebt, wurden inzwischen "unsere Penthouse Wohnungen". Aus den bei der ersten Beschreibung genannten 900 m2 wurden zuerst 1200 m2 und schließlich 2100 m2. Auf Nachfrage, wie das möglich sei meinte der Schüler, sie hätten inzwischen angebaut. Eine andere Person meinte, das Penthouse hätte einen so tollen Ausblick, dass man von den Alpen bis zum Mittelmeer alles sehen würde. Ich brachte den Einwurf, dann muss man aber auch vom Balkon ins Meer springen können. Eine dritte Person entschied, dass das aber Süßwasser sein müsste. Wir würden uns einfach unser eigenes Meer bauen. So ging es bis zum Ende der heutigen Wache.
Jetzt stellte sich nur noch die Frage, wie wir den heutigen Wachwechsel gestalten würden. Ein paar Beispiele, was es bisher gab: den singenden Wachwechsel, den Wachwechsel in einer anderen Sprache (von französisch bis chinesisch war schon alles dabei) oder den Wachwechsel mit den endlosen Reden. Unser Toppsgast Obi entschied sich für den liegenden Wachwechsel. Diese Möglichkeit war sehr naheliegend, da eh schon die halbe Wache auf dem Deck lag, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Das einzige Problem war, dass wir teilweise nicht auf der richtigen Seite lagen, aber das wurde auch schnell gelöst. Und so hat die abziehende Wache der aufziehenden Wache eine ´goude ruh´ gewünscht.
Ich grüße alle, die zur Zeit nicht auf der Roald unterwegs sein können
Tabea

Grüße:
Alles Gute zum Geburtstag lieber Vater!!!! Feier g"scheid! Alles liebe dein Daniel
Ich grüße ganz lieb und voller Freude auf das baldige wiedersehen meine Familie<333!! Josha
 
 




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