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18.05.13 :: english website :: druckfreundliches Layout
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Hier findest Du Reiseberichte von Törns auf der Roald.

 

Reisebericht Törn 0065 von Odette Frey

Ein Traum wird war von N.N.

Die Reise zurück von Sebastian Rogge


Die Reise zurück - Sebastian Rogge

Ein Mitglied unserer Stammcrew, Sebastian Rogge, hat seine Segelreisen-Erfahrungen auf der Roald Amundsen in einem Buch zusammengefasst, dieses ist nun für jederman als pdf verfügbar.

 

Das Buch soll vor allem unterhalten - es beschreibt den Alltag auf der Roald aus einer nicht technischen, dafür aber sehr persönlichen Sicht und will die erlebten Menschen und Ereignisse für einen größeren Kreis zugänglich machen.

 

Für viele unserer Vereinsmitglieder ist die Erzählung auch deswegen interessant, weil man unter den beschriebenen Personen manchmal sehr leicht, manchmal auch etwas schwerer Teile unserer Crew wiedererkennen kann.

 

Die Reise zurück als PDF


Reisebericht vom Törn 0065 - Odette Frey

Was in aller Welt hat mich geritten, den Kanarentörn auf dieser Roald Amundsen" zu buchen? Zehn Tage mit 32 wildfremden Menschen auf einem Segelschiff. Das bedeutet drei Duschen, drei Klos gemeinsam für alle, ein Schrankfach, eine schmale Matratze für jeden und vermutlich keine ruhige Minute für mich selbst.

 

Zu spät, nun lieg ich hier in der Koje. Die drei Mitsegler, mit denen ich die Kabine teile, schnarchen wohlig in ihre Kissen. Der Kahn schaukelt sachte hin und her und lässt dabei die Gummireifen-Stossdämpfer mit einem schrillen Quietschen über die Mole scheuern. Einige Stunden später weckt mich ein Wummern. Es ist sechs Uhr in der Früh. Keine Ahnung, was hier dröhnt, aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken.

 

Später schleppe ich mich in den Speiseraum, Messe genannt, wo eine Handvoll verschlafener, aber ziemlich wohlgelaunter Mitsegler bei frischen Brötchen, Obstsalat, Kaffee und Tee zusammensitzt.

 



Birgitt reicht mir eine Tasse Kaffee über den Tisch. "Na, wie war die erste Nacht an Bord", fragt sie. "Mittel", antworte ich nicht ganz wahrheitsgetreu. Eine Antwort, die ich im Verlaufe des Vormittags noch zehnmal geben werde. Allmählich beginne ich mich zu wundern. Zwar kenne ich hier an Bord niemanden länger als 15 Stunden, und doch scheint sich jeder brennend dafür zu interessieren, wie ich geschlafen habe, ob ich mich auf dem Schiff schon zurechtfinde und überhaupt, wie es mir denn so gehe. Der Gedanke, mich mit 32 wildfremden Menschen hier zusammenzupferchen, ist heute schon um einiges weniger unangenehm.



Gerade als sich meine Stimmung aufhellt und ich in Gedanken die ersten Postkarten formuliere ("so ein schönes Schiff, so nette Leute"), kommt der nächste Hammer: Wir sollen ins Rigg. Also nach oben klettern, den Wanten entlang in die Masten und raus auf die Rahen, die Querbalken, an denen die Segel angemacht sind. Für Kletter-Novizen ist schon das Anlegen des Sicherheitsgurtes eine Herausforderung. Als die Schlaufen schliesslich richtig um Beine und Bauch gewickelt sind, gehts los. Mit drei erfahrenen Roaldies soll ich da hoch. Beim Senkrecht-Klettern gibts kaum eine Möglichkeit, sich mit dem Schäkel zu sichern. Also klammere ich mich mit schwitzenden Händen an die Wanten. Das Deck bewegt sich unter mir immer weiter weg. Sind die denn alle lebensmüde hier? Doro vor mir bewegt sich in der Senkrechten, als hätte sie Saugnäpfe an Händen und Füssen. Mit zitternden Knien schaffe ichs auf die erste Saling, eine dreieckige Stahlplattform in etwa zehn Metern Höhe. Nach einer kurzen Verschnaufspause gehts weiter auf die Obermars-Rah, den dritten Querbalken. Mittlerweilen formuliere ich im Kopf keine Postkarten mehr sondern mein Testament.

 

Als ich schliesslich wieder auf Deck stehe, zittern die Knie noch immer. Zehn Tage mit 32 lebensmüden Kletterern auf einem Schiff, was für eine Aussicht.

 

Bevor ich ins Brüten verfallen kann, gibt Kapitän Tham das Kommando zum Ablegen. Wir stechen in See. Eine sanfte Brise treibt uns vorwärts Richtung Gran Canaria. Gemächlich pflügt sich die Roald ihren Weg durchs dunkelblaue, unglaublich klare Wasser. Die Sonne scheint bei 25 Grad. T-Shirt-Wetter im Februar - so hatte ich mir das vorgestellt. Die Wellen heben und senken das Schiff aus dem glitzernden Wasser. Ein paar Möwen ziehen ihre Runden, und Teneriffa verschwindet langsam hinter uns.



Noch liegen wir im Hafen von Santa Cruz auf Teneriffa. Bevor wir gegen Mittag auslaufen wollen, gibt es erste Einweisungen ins Windjammer-Segeln und ins Bordleben. Auf der "Roald Amundsen" wird in einem Drei-Wach-System gesegelt. Jede Wache übernimmt zweimal vier Stunden, eine Schicht davon ist tagsüber, die andere Nachts. Zusammen mit drei weiteren Neulingen und vier erfahrenen Roald-Seglern, die zur so genannten Stammcrew gehören, melde ich mich für die Wache 3, die jeweils von acht bis zwölf Uhr Dienst hat. Unser Toppsgast ist Leila, sie gibt die Kommandos. Der Steuermann heisst Daniel und wird uns später noch mit seinem Wissen zur Segeltheorie beeindrucken.

 

Zuerst lernen wir Neuen eine neue Sprache. Jedes der unzähligen Taue, die von den Masten runterhängen, hat einen eigenen Namen. Einige klingen vage bekannt - von einer Grossschot hat schon mal gehört, wer je auf einem Schiff war - aber was um Himmelswillen ist bloss der Grossstengestagniederholer und wofür ist die Vor-Untermarsbrasse gut? Toppsgast Leila kriegt es fertig, uns in wenigen Stunden das Nötigste zu erklären. Unterstützt wird sie von der Stammcrew. Alle scheinen mit einer Engelsgeduld ausgestattet zu sein. Das Pädagogen-Motto "Blöde Fragen gibt es nicht" scheint hier jeder verinnerlicht zu haben, und so haben alle bis Mittag ansatzweise begriffen, wie das Seilgewirr um die Masten funktioniert.



Auch für die nächsten Tage ist schönes Wetter angesagt - leider aber nur wenig Wind. Zwei Tage lang dümpeln wir auf dem Wasser. Die Segel werden eingeholt (die Lebensmüden klettern wieder die Masten hoch), und eine Badepause auf offener See eingelegt. Danach gehts unter Motor die restliche Strecke nach Gran Canaria, wobei sich eine Herde Delfine in unserer Bugwelle vergnügt. Eine wohlige Entspanntheit hat sich breit gemacht. Die Handgriffe sitzen einigermassen. Wir Neulinge kriegens langsam hin, auf Kommando zum richtigen Tau zu rennen, haben erste Erfahrung mit der Backschaft, also dem Küchendienst und dem Reinschiff, also dem Putzen, gemacht. Die drei Tage fühlen sich bereits an wie eine Woche. Schwer vorzustellen, dass zu hause Schneestürme toben und die Kollegen im Büro schuften.

 

Den Tag auf Gran Canaria verbringen wir mit Wandern und Baden. Abends gibts Dinner auf Deck. Das Wasser plätschert um das Schiff, am kohleschwarzen Himmel sind so viele Sterne zu sehen wie zu hause in zehn Nächten zusammen. Wer will, spannt sich eine Hängematte auf und schläft an Deck. Die übrigen kuscheln sich in ihre Kojen. Ich habe mich inzwischen an die Schnarcher gewöhnt, die quietschenden Gummireifen kommen hier draussen zum Glück nicht zum Einsatz, und überhaupt schlafe ich nun ganz wohlig.

 

Zwei Segeltage mit sanftem Wind sind uns in den nächsten Tagen noch beschert. Bei Flaute dümpeln wir vor uns hin, baden von Bord aus, lesen und liegen faul in der Sonne. Auf Gomera legen wir einen zweiten Landtag ein. Hin und wieder kommt der Motor zum Einsatz, der hier liebevoll Erna genannt wird, und dessen Tschuck-Tschuck keinen Schlummer stört. Natürlich könnte man sich über die Flaute ärgern. Schliesslich hat man einen Segelurlaub gebucht. Doch das schöne Wetter und das entspannte Bordleben ersticken solche schwarzen Gedanken im Keim. Während den Wachen bringen uns Leila und Daniel allerhand übers Segeln, das Schiff und das Verhalten auf See bei. Einiges davon können wir auch umsetzen: Kommt ein Hauch Wind auf, gehts hoch auf die Rahen und raus auf den Klüverbaum vorne am Schiff, um die Segel auszupacken, schläft der Wind wieder ein, muss das Tuch natürlich wieder zusammengeschnürt werden. So hält uns der wenige Wind trotzdem auf Trab.

 

Inzwischen hab ich mich auch nochmal ins Rigg gewagt. Etwas mulmig ists mir da oben immer noch zu Mute. Zum Glück wird man aber weder zum Klettern gedrängt, noch herrscht Gruppendruck. Wer will, geht hoch, wer nicht, bleibt eben unten. Die Leichtfüssigkeit der geübten Roaldies ist mir noch immer ein Rätsel. Erst beim dritten Mal in der schwankenden Höhe kommt so etwas wie Gewöhnung auf.



Nach einem Schlenker Richtung La Palma gehts viel zu rasch für meinen Geschmack zurück nach Teneriffa. In der letzten Nacht lässt uns ein stetiger Wind nochmal richtig schön segeln. Die Segel sind in fahles Mondlicht getaucht, die Inseln liegen wie urzeitliche Ungeheuer im schwarzen Meer und rund um den Rumpf der Roald leuchtet das Wasser gespenstisch. Das Meeresleuchten, hervorgebracht von winzigen, fluoreszierenden Algen, ist heute besonders faszinierend: Eine Herde Delfine schwimmt neben uns her und sorgt für zusätzliche Lichtspuren. Am liebsten würde man nie ins Bett gehen - und am nächsten Tag am liebsten auch nicht schon nach hause.

 

Der Törn mit 32 lebensmüden Kletterern, drei Duschen, drei Klos für alle, einer Matratze, einer Schublade für jeden: das war der entspannendste Urlaub seit langem.

 

Odette Frey, Zürich


Aus dem Tagebuch eines Mitseglers

Ein Traum wird war: Mit dem Windjammer Roald Amundsen nach Tenerifa

Nach einem kurzen Aufenthalt der "Roald Amundsen" in Hamburg, bei dem das Schiff mit einem "maritimen Kunststück" auffiel, da sie unter nahezu vollen Segeln an der Ueberseebrücke anlegte, ging die Reise dann weiter über Lissabon zu den Kanarischen Inseln.

 

Und ich, eine Göttinger Landratte, war dabei! Alt ist sie ja nicht, die Brigg "Roald Amundsen". Obwohl sie mit ihrer aufwendigen Takelage durchaus so wirkt wie ein alter Windjammer. Der 50 m lange Segler wurde 1952 in Roßlau an der Elbe im Rahmen einer großen Serie von Hochsee-Fischerei-Loggern gebaut und erst 1992/93 im Wolgast vom Verein "LebenLernen auf Segelschiffen"e.V. in eine traditionelle Brigg verwandelt. Schon am Ankunftstag geht es im Hafen von Lissabon los mit Sicherheitseinweisung und Wacheinteilung. Der Kapitän Jürgen Mais und die ausgebildete Stammcrew begrüßen die Gäste als Trainees an Bord. Dann geht es ans Eingemachte. Das Besondere auf diesem Traditionssegler ist die aktive Mitwirkung jedes einzelnen, dazu beizutragen, daß das Schiff segelt. Und wir sollen uns an allen Aufgaben an Bord beteiligen. Dazu gehören Backschaft, Putzen und natürlich auch die Arbeit im Rigg.

 

 



Die Masthöhe beträgt immerhin stolze 34 Meter, die zu bewältigen sind. Die Stammcrew muß, die Teilnehmer dürfen in den Wanten aufentern und in den Fußpferden stehend die ersten Handgriffe für das zukünftige Segelein- und auspacken üben. Beim ersten Mal hatte ich ganz schön Angst auf den Rahen. Aber es ist super, wenn man sich überwunden hat. Hinterher bin ich richtig stolz gewesen. Den Ausblick aus 30 Metern Höhe zu genießen, ist ein tolles Gefühl. Wir bewunderten anschließend die Seeleute früherer Jahrhunderte, die diese schwere Arbeit täglich und bei jedem Wetter erledigen mußten - nicht freiwillig versteht sich.

 

Am nächsten Tag geht es dann früh in Richtung Madeira. Endlich raus auf den Atlantik. Zunächst mit gemischten Gefühlen. Mit 18 Segeln an zwei Masten mit insgesamt 850 qm Segelfläche schwimmt die "Roald Amundsen" majestätisch auf dem Wasser. Und die Landratte? Die ist nichtmal seekrank geworden.

 

Der Passat schiebt uns kräftig vorwärts, so daß wir nach drei Tagen und Nächten (gesegelt wird rund um die Uhr, eingeteilt in drei Wachen) vor Funchal, der Hauptstadt von Madeira, vor Anker gehen. Die Zeit auf See vergeht wie im Flug. Es gibt viele Leinen auf dem Schiff, Funktionen und Namen müssen gelernt werden. Das Aufentern in die Rahen ist noch ungewohnt und dauert auch unter Anleitung noch entsprechend lange. Die Stammcrew ist immer zur Stelle und beantwortet geduldig jede Frage. Und Fragen werden eine Menge gestellt. Wer kann sich schon auf einmal die vielen Begriffe wie Gordinge, Geitaue Brassen, Schoten und Fallen, Großstengestagsegel, Voruntermars, Bram und Royal usw. usw. merken?

 

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Nach ein paar Metern an Land hat uns die schöne Insel verzaubert. Einige mieten sich ein Auto, andere fahren mit dem Bus, um die Insel zu erkunden. Die obligatorischen Postkarten werden nach Hause geschickt. Während eines Spaziergangs bot sich uns ein bezauberndes Bild, die Silhouette der " Roald Amundsen" in der Bucht von Funchal. Dieses erinnert an die grosse Zeit der Segelschiffe.

 

Nach zwei Tagen an Land gab der Kapitän dann das Kommando: "Anker auf und klar zum Setzen der Segel". Über der Insel waren dunkle Wolken aufgezogen, es fing an zu regnen. So kamen unsere Gummistiefel und die Regensachen doch noch zum Einsatz. Ein Gewitter mit heftigen Böen ging über uns hinweg. Nach kurzer Zeit war der Spuk vorbei, die Sonne kam zum Vorschein, sodaß wir später wieder an Deck Mittagessen konnten. Der frischgebackene Kuchen am Nachmittag ist eine willkommene Zwischenmahlzeit, denn die Seeluft und die ungewohnten Tätigkeiten machen ganz schön hungrig, daher ist der Smut (Koch) ein wichtiges Crewmitglied.

 

Auf dem Weg nach Teneriffa erleben wir wunderschöne Tage auf See. Nachts meistens sternklarer Himmel, Sonnenauf- und Untergänge wie im Bilderbuch und tagsüber strahlenden Sonnenschein. Die Ausstrahlung der Ruhe durch die überwältigende Weite des Meeres, die Farben, der Geruch von Wasser und Schiff. Das sind die Dinge, von denen ich geträumt habe. Ehe wir in Santa Cruz, dem Zielhafen unserer Reise einlaufen, ankern wir in einer herrlichen Bucht zum Baden. Danach wurden wir von einem Lotsen sicher in den Hafen gebracht. Bevor sich alle Teilnehmer, sowohl Stammcrew als auch Trainees, in ihre Heimat begeben, hat der Smut als kulinarischen Höhepunkt einen Grillabend auf der Mole vorbereitet. Und dadurch fällt der Abschied den meisten noch schwerer. Adressen und Telefonnummern werden ausgetauscht - man möchte sich gerne einmal wiedersehen...

 

Im Sommer segelt die ,Roald Amundsen" in der Regel mit Jugendlichen ab 16 Jahren in der Nord- und Ostsee, auch erwachsene Einzelreisende können an den Fahrten teilnehmen. Das Schiff überwintert auf den kanarischen Inseln, wo neben Urlaubsangeboten auch spezielle Ausbildungstörns und Navigationsseminare stattfinden.



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